Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1865-03-01 · Heft 6 (März 1865) · p. 187

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 6 (März 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-03-01
Page
187 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2932947-2932954-2949284--09407-2949307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Von S... 187 ״Ich gestehe, daß ich nicht begreife, wieso meine Freundschaft den Frieden Ihrer Gemeinde zu sichern vermochte." ״Warum es uns verhehlen?" entgegnete lächelnd der Doktor, ״sind wir nicht die Häupter der Parteien? und wenn nur die Häupter die Friedenspfeife rauchen, denkt auch die Masse nicht mehr an Hader." ״Sie erweisen mir zu viel Ehre, Herr Doktor, ich bi» mir nicht bewußt, das Haupt irgend einer Partei zu sein." ״Sie wollen mir ausweiche», doch es.soll Ihnen nicht gelingon; zu lange schon habe ich ein Zusammentreffen mit dem geistvollsten Manne meiner Gemeinde gewünscht, als daß ich es nun nicht nützen sollte," erwiederte Herr Doktor Fuchs, den es doch wohl gerathcn sein mochte etwas genauer zu schildern. Herr Doktor Fuchs war, wie schon oben bemerkt, Seelsorger der israelitischen Gemeinde. Sein hoher schlanker Wuchs, seine regelmäßigeu männlichen Züge, die matte Bläffe seines Teints, durch den dunkeln Haar- und Bartwuchs vortheilhaft gehoben, machten ihn unstreitig zu einer angenehmen Erscheinung. Doch das schöne dnnkele Auge glänzte beständig in so zur Schau getragener Sanftmuth, daß es seine milde salbungsvolle Sprechweise nur zu accoinpagniren schien. Voll süßlicher Galanterie gegen die Damen, war er der Liebling des weiblichen Geschlechts, und auch gegen sein eigenes stets voll Hingebung und Milde. Seit anderthalb Jahren bekleidete er seinen jetzigen Posten. Seine Gemeinde bestand, wie heute ja die meisten, aus religiösen und nichtreligiösen Mitgliedern, und waren Letztere auch nicht an Zahl überwiegend, so überragten sie ihre Gegner doch an Energie bei weitem, und strebten eifrig und rastlos alle Gemeinde-Institutionen nach ihrem Sinne umzuformcn. Und die Religiösen — Wohl sahen sic mit tiefem Schmerze diesem Treiben zu; doch die Hände legten sie in den Schoß und dachten, das Rechte werde schon selber die Bahn sich brechen — Wohl seufzte» sie schmerzlich, als man den Gottesdienst in der Synagoge verstümmelte, als Lehrer an der Gemeindeschule angestellt wurden, die öffentlich unerlaubte Speisen ge- »offen, als sie die Schächter den Sabbath entweihen sahen, und hiedurch gezwungen waren, von auswärts ihren Fleischbedarf zu beziehen. Doch beim Seufz e, / jj

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.