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Jeschurun · 1865-03-01 · Heft 6 (März 1865) · p. 186

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 6 (März 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-03-01
Page
186 (sequence 8)
Language
German
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186 Licht- und Schattenbilder. ״Hier haben Sie, liebe Freundin, die Ursache meiner Zerstreuung; die kleinen traurigen Gesichtchen in ihrer rührenden Schönheit schwcben fortwährend mir vor Äugen; ich fürchte immer, dieser Mann führt Unrechtes gegen seine eigenen Kinder im Schilde; thetlen Sie nicht auch diese Ansicht?" ״Ich möchte das gerade nicht behaupten, wie seltsam es auch erscheinen mag, daß der Vater sich als Wittwer ausgicbt und die Kinder ihre Mutter gesehen zu haben behaupten. Aber vielleicht hat man den Kleinen den Tod der Mutter eine Zeitlang verschwiegen, nud in der leicht erregbaren Kindesphantasie glauben sie nun bei ihr gewesen zu sein." Frau Wolf schüttelte den Kopf, ״bei dem kleinen Knaben hätte man vielleicht ans derartiges schließen können aber bei dem Mädchen -- nein, nein der Ausdruck ihrer Züge ist voller Intelligenz; die Kleine täuscht sich nicht." ״Seltsam, unerklärlich in der That, doch vielleicht —" Frau Kraus wurde unterbrochen; ihre Pflichten als Wirthin riefen sie auf einige Augenblicke ins Nebenzimmer. Als sie zurückkam traf sie Herrn D1-. Fuchs an ihrer Stelle, eifrigst bemüht ihre Freundin zu unterhalten. Nach einigem Hin- und Herrcden und Complimenten ersuchte er diese, ihn ihrem Gatten vorzustellen. Herr Wolf war nicht fern; seine Frau winkte ihm und erfüllte des Seelsorgers Begehren. ״Ich freue mich sehr Ihre werthe Bekanntschaft zu machen, Herr Wolf," begann dieser, ״schon längst habe ich mich nach derselben gesehnt." ״Sehr verbunden," lautete die Antwort in nichts weniger als verbindlichem Tone. ״Auch ergebe ich mich der sichern Hoffnung, daß aus unserer Bekanntschaft recht bald Freundschaft erwachsen möge," fuhr der Doktor fort. Ein etwas spöttisches Lächeln umspielte des Andern Lippen, ״Ich wußte nicht, welchen Werth meine Freundschaft für Herr Doktor Fuchs haben könnte." ״O einen unschätzbaren, durch sie könnte ich doch hoffen den Frieden meiner Gemeinde zu sichern und für diesen gilt mir nichts zu hoch."

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