Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 182 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Licht- und Schattenbilder. ״Emmi," fuhr mit imnier größerer Anstrengung und in abgebrochenen Sätzen der Leidende fort, ״ich sterbe, weil ich den hei- ' ligen Sabbath entweiht — Papa thut es auch — aber es ist sehr Unrecht — thu Du's nimmer — und Fritz auch nicht — das versprecht mir — nie entweiht den Sabbath —" ״Nie, Carl nie," schluchzten die Kleinen und wollten sich auf den Bruder werfen, ihn zu umschlingen, doch der Doktor hielt sie zurück; jede Berührung mußte die Schmerzen vergrößern. Die Kräfte des Kranken schwanden zusehends. ״Papa," murmelte er kaum vernehmbar. Der Vater neigte sich zu ihm. ״Laß Emmi und Fritz leben wie Großpapa gelebt hat — bitte bitte — Mama — Mama —״ Er sprach noch mehr, aber seine Worte waren unverständlich. Der letzte Kampf begann. Der Arzt führte die Kinder zur Thür und wollte auch die Mutter entfernen; doch bei dieser war alles Zurede» umsonst. Sie hörte den letzten Seufzer ihres Kindes und brach mit einem fast wahsinnigen Wehrufe am Sterbebette zusammen. Der Abend war bereits ziemlich weit vorgerückt; die Kinder genoffen schon seit einigen Stunden eines sanften Schlummers, der ihnen nach der heutigen Aufregung doppelt Bedürfniß war, als Herr Weiß gefolgt von einer schon ziemlich bejahrten Dienerin, in's Kinderzimmer trat. ״Elise," wendete er sich halblaut an diese, pakken Sie der Kinder Kleider rasch hier in diesen Koffer, in zwei Stunden müsse» wir abreisen." Das Mädchen glaubte ihren Ohren nicht trauen zu dürfen; Mund und Augen weit geöffnet, stand sie verwundert da. ״Haben Sie mich nicht verstanden?" fuhr ihr Gebieter fort, den ihr Zögern verdroß. ״Eilen Sie, packen Sie, die Zeit vergeht und die Eisenbahn wartet nicht." ״Verreisen wollen der Herr?" rief Elise, ״heute am Sterbetage Ihres Sohnes, wo Ihre Frau so schwer darniederliegt." ״Ruhig, ruhig," gebot Herr Weiß, ״thun Sie was ich Ihnen geheißen. Gerade weil meine Frau im Ncrvenfieber liegt, das sich sehr leicht auch auf Kinder überträgt, und weil ich heute einen so schrecklichen Verlust erlitten, darum will ick die Schätze, die mir geblieben, hüten und wahren und will die Kinder zu meiner Schwester