Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 181 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932954-2949284--09401-2949301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von S... 181 weil ich am Sabbath verkauft habe. Großpapa. hat mir das Alles in der Nacht gesagt — O, als er noch lebte, war unser Laden nie am Sabbath geöffnet, und ich that nie etwas —״ Die Aufregung schien die Schmerzen zu vermehren, die Augen schlossen sich wieder, schmerzlich wimmernd hielt er inne. Die Mutter schien außer Stande, die Anklage die ans den Worten ihres Kindes sprach, zu ertragen; eine an Irrsinn grenzende Verzweiflung malte sich in ihren Zügen; die Hände übereinander ans die Brust gepreßt saß sie heftig zitternd da. Ihr Gatte aber, über das Fußende des Bettes gelehnt, stützte mit den Händen das Antlitz, in dem mehr Unmuth und Zorn als Theilnahme und Schmerz sich zeigten. Die Klagen des Kleinen wurden immer herzerschütternder; der Arzt suchte einige schmerzstillende Mittel anzuwenden, und es gelang endlich, dem kleinen Kranken einige Erleichterung zu verschaffen. Doch kaum fühlte dieser sich etwas freier, so begann er wieder von Neuem sich aufzuregen. Dringend gebot der Arzt, flehte die Mutter ihn an, sich ruhig zu halten; umsonst. — Nur von Einem Gcdan-- ken erfüllt, schien er für Alles Andere kein Ohr zu haben. ״Mama, liebe Mama!" Die Mutter beugte sich zu ihm nieder ״Emmi und Fritz — wo sind sie? sie sollen zu mir kommen." Noch so eben kaum fähig sich aufrecht zu erhalten, erhob sich die Mutter nun rasch und eilte den Wunsch des Kranken zu erfüllen. Schon nach wenigen Augenblicken kehrte sie zurück, an Ihrer Hand die Kinder die wir so eben im Laden getroffen. Auf den Fußspitzen gehend näherten die Kleinen sich leise dem Bette des kraukxn Bruders. ״Kommen Emmi und Fritz denn noch nicht?" fragte dieser endlich in sehr mattem aber ungeduldigem Tone. ״Wir sind ja schon schon hier Carl, lieber lieber Carl; wir wollen immer bet dir bleiben." ״Emmi, Fritz," begann der Kranke mühsam, ״ich muß sterben — habt ihr mich lieb? wollt Ihr thnn, um was ich Euch bitte?" ״Ich habe Dich lieb, Carl, sehr sehr lieb, ich will alles thnn was Du willst, aber stirb nicht, stirb nur nicht", und Helle Thräuen glitten nher Emmis rosige Wangen, der kleine Fritz wiederholte ängstlich betroffen die Worte der Schwester.