Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Licht- und Schattenbilder. Mit sanften freundlichen Worten, die zuweilen sogar einen Anfing von Heiterkeit zeigten, trotzdem aber die ganze Verzweiflung des Mutterherzens bargen, suchte sie die Klagen des kleinen Dulders zu beschwichtigen. Als sie die Thüre sich öffnen horte, wandte sic sich um und hastig aber lautlos eilte sie dem Etntretenden entgegen und ergriff die Hand des Arztes, zu sprechen aber vermochte sie noch nicht. ״Herr Doktor," stammelte sie endlich leise, ״mein Carl, er leidet fürchterlich; helfen Sie, retten Sie!" ״Schläft der Kleine?" fragte der Arzt. Sie schüttelte den Kopf. ״Carl", flüsterte sie, sich über das Bette neigend, ״der Herr Doktor ist da; nun werden deine Schmerzen Nachlassen." Mühsam öffnete der Kleine die sonst so funkelnden Augen. ״Wie geht es Dir mein liebes Kind?" fragte der Arzt, die sieberheiße Hand des Kindes leise drückend. .jet ״Schlecht, Herr Doktor, sehr schlecht, ich habe viele und. starke Schmerzen." Angstvoll ruhte der Mutter Blick auf dem Arzte, der demselben zu begegnen vermiede. ״Verbinden Sie nur mich nicht wieder," stöhnte der Kleine weiterj ״es thut so unendlich weh, und nützt ja doch nichts; ich muß ja doch sterben." ״Carl", flehte die Mutter, und nur mit Anstrengung bezwang sie sich, nicht lailt allfznschreien, ״sprich nicht so mein Herzenskindchen; ich kanns nicht ertragen; du wirst ja leben, wirst recht bald gesund werden; der Herr Doktor ist ja da und wird dich heilen." ״Mit Gottes Hilfe," versetzte dieser, ״itnb wenn mein lieber Carl ״Nein, nein!" rief fast heftig der Kleine, ״ich kann nicht leden; ich muß sterben, ich habe ja gehört wie Professor Köhler es gestern zu Papa gesagt hat, als sie glaubten ich schliefe. Weine nicht Mama, liebe gute Mama weine nicht", fuhr er sich immer mehr mifregend fort, als die Mutter ihre Thränen nicht länger zurückzuhalten vermochte, ״sich es ist ja viel besser für mich, wenn ich sterbe; Großpapa war diese Nacht bei mir und hat mir's gesagt." ״Carl, lieber guter Carl —״ ״Beruhigen Sie sich," bat der Arzt, ״der Kleine phantasirt nur." Das Kind ließ sich nicht unterbrechen. ״Und weißt du auch, Mama, warum ich sterbe? weil ich den heiligen Sabbath entweiht,