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Jeschurun · 1865-01-01 · Heft 4 (Januar 1865) · p. 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 4 (Januar 1865)
Article
Zur Falaschahfrage
Date
1865-01-01
Page
122 (sequence 7)
Language
German
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122 Zur Falaschahfragr. Land anwesenden Europäern wegen seiner Rechtschassenheit, Uneigennützigkeit und Sittcnreinheit sehr gelobt, aber seine Unterthanen seien unzuverlässig, hinterlistig, sittenlos. Stern besuchte den Abnna, den Patriarchen der abyssintschen Kirche, der Anfangs etwas zurückhaltend war, zuletzt aber nichts gegen die Mission unter den Juden einzuwenden hatte. Am Tage Mariä Empfängniß war feierlicher Tanz, den wir aber nach unseren Begriffen nicht als etgcntltchen Tanz bezeichnen würden; er ist mehr eine Art von gymnastischer Uebung. Die Mission wurde zu Gen da begründet, das recht eigentlich im Mittelpunkte der Falaschastämme liegt. Das Wort bedeutet Verbannte und mit demselben werden die Juden in Abysstnten allgemein bezeichnet. Sie haben sich einen in das hohe Alter hin-» ausreichenden Stammbaum zurecht gemacht, und wollen zur Zeit der Königin von Saba nach Aethiopien gekommen sein. Von Menilek, dem Sohne, welchen diese mit Salomo gezeugt, leiten sie die abyssintschen Könige ab. Die Falaschas waren einst unabhängig, standen unter Königen, welche alle Gideon hießen, und unter Königinneu, welche stets Judith benannt wurden. Jetzt sind sie in fünf abyssintschen Provinzen zerstreut und man erkennt ihre Dörfer auf den ersten Blick. Auf der Spitze des Tempels ist nämlich allemal ein rot her Topf angebracht. Die Falaschas rühmen sich, unmittelbar von Abra- Ham, Isaak und Jakob abzustammen und ihr altjüdtsches Blut rein erhalten zu haben. Mischheirathen mttandcrcn Stämmen sind durchaus verboten; ja es gilt schon für Sünde, das Haus eines Andersgläubigen zu betreten; wer eine solche begeht, muß sich einer Reinigung unterwerfen und ganz frische Kleider anlegen; dann erst darf er wieder in sein Haus gehen. Diese Ausschließlichkeit hat übrigens gute Folgen gehabt, denn sie bewahrte die Falaschas vor der Ausschweifung und Sittenlosigkeit, welche sonst in Abyssinicn allgemein sind. Jedermann gesteht ein, daß die Falaschas, Frauen wie Manner, die zehn Gebote streng befolgen. Hetrathen in früher Zugend sind bei ihnen nicht gestattet, da Männer erst zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten, Mädchen zwischen dem fünfzehnten und zwanzigsten Jahre sich vermählen. Ehescheidungen sind nicht gestat-

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