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Jeschurun · 1865-01-01 · Heft 4 (Januar 1865) · p. 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 4 (Januar 1865)
Article
Zur Falaschahfrage
Date
1865-01-01
Page
121 (sequence 6)
Language
German
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Zur Falaschahsrage. 121 weit und breit das Land und ließ eine große Anzahl von Menschen martern und niederhauen. Als dann ein Jahr später seine Gemahlin starb, erblickte er darin eine Strafe des Himmels für die abscheulichen Grausamkeiten, welche er verübt, und legte öffentlich ein Gelübde ab, daß er nie wieder von seiner Leidenschaft sich beherrschen lassen wolle. Am Hoflager begegnete dem Missionäre etwas Unangenehmes; er gab entsetzlichen Anstoß. Sitten, Geschmack und Begriffe von Anstand und Schicklichkeit sind eben in verschiedenen Ländern verschieden. Der König hatte den Fremden zur Tafel geladen. Die Mahlzeit bestand, weil gerade Fasttag war, einfach aus Teffknchen und Meth. ״Da machte ich einen Verstoß gegen die Sitten des vornehmen Lebens. Nach abysstnischcn Begriffen muß jeder Mann von aristokratischer Abkunft ein feines Gewand (Schama) mit dunkelrothem Randbesatz tragen, und beim Essen schmatzen wie ein Schwein. Davon wußte ich freilich nichts; ich aß so, wie wir in Europa es für schicklich halten, aber das trug mir den Tadel der Gesellschaft ein; die Leute raunte» sich allerlei tn'ö Ohr. Endlich fiel mir die Sache auf und ich fragte den Engländer Bell (—welcher ein hohes Krtegsamt bei Theodoros bekleidete —ob ich etwas Unangenehmes gethan habe. Bell entgegnete: Gewiß haben Sie das. Ihr Betragen ist so ungentlemanly, daß alle Gäste glauben müssen, Sie seien ein Mensch ohne alle Erziehung und Bildung, und gar nicht gewohnt, sich in anständiger Gesellschaft zu bewegen. — Nun, wodurch habe ich denn eine so schmeichelhafte Meinung verdient? — Einfach durch die Art und Weise, wie Sie essen. Wenn Sie ein Gentleman wären, so würden Sie das bei Tafel beweisen; Sie müssen recht laut und derb schmatzen und Keiner wird bezweifeln, daß Sie ein Mann von Stande seien. Da Sie aber nicht schmatzen und die Speisen lautlos kauen, so glaubt hier Jeder, daß Sie ein armer Tropf seien. — Ich erklärte dann den abyssinischen Aristokraten, daß bei mir zu Lande, in Europa, eine andere Sitte herrsche, und damit bracht« ich die Dinge in das richtige Geleise." Der Missionär klagt, daß er in Abysflnien viel Schmutz und Unsittlichkelt gefunden habe. Theodoros selbst wurde von den im

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