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Jeschurun · 1865-01-01 · Heft 4 (Januar 1865) · p. 123

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 4 (Januar 1865)
Article
Zur Falaschahfrage
Date
1865-01-01
Page
123 (sequence 8)
Language
German
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Zur Falaschahfrage. 123 tet; Vielweiberei ist nicht erlaubt; Frauen und Mädchen gehen unverschleiert frei umher. Die Tempel haben drei Abtheilungen, der Eingang liegt nach Osten hin. Barbarisch ist eine Sitte, welche mit überstrengen Begriffen von Reinigung zusammenhängt. Neben jedem Dorfe befindet sich eine ״unreine" Hütte. Dorthin schafft man die Kranken, deren Tod für unabwendbar gilt; sie liegen dort verlassen; kein Verwandter darf bei ihnen sein; nur Menschen welche für unrein gelten, dürfen sich um solche kümmern. Merkwürdig erscheint die Thatsache, daß diese abyssinischen Juden dem Handel äußerst abgeneigt sind und ihn ger adezu v erachten. Stern schreibt: ״Diese FalaschaS sind von exemplarischer Sittlichkeit, ungemein sauber, sehr andächtig und glaubendstreng und dabet sehr fleißig und thättg. Sic treiben Ackerbau und Viehzucht und auch einige Handwerke: man findet z. B. unter ihnen Weber, Töpfer und Schmiede. Der Handel gilt ihnen für unverträglich mit dem mofalschen Glauben und man findet unt er,.dieser Viertelmillion Me nschen nicht ein en einzigen Kaufmann." Es kann bei Leuten, welche so abgeschlossen leben, nicht befremden, daß sie alle anderen Religionen verabscheuen; ohnehin sind sie zumeist von Götzendienern umgeben und die christlich abyssinische Kirche hat, in ihrem Verfall, auch nichts Anlockendes. Stern seinerseits wußte es dahin zu bringen, daß man ihn höflich aufnahm und er sich in Genda niedcrlassen konnte. Natürlich gibt er sich, wie alle Missionäre, großen Bekehrungshoffnungen für die Zukrrnft hin. Wir geben vorläufig diese Berichte wie sie uns vorliegen. Selbst aus den Mittheilungen dieser Missionäre leuchtet die ganze Bedeutsamkeit der Frage hervor, die Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer in so warm beredten Worten der ganzen jüdischen Gesammtbeit ans Herz gelegt. Sie constatiren die Thatsache von dem Vorhandensein einer Viertelmiüion jüdischer Seelen, denen der Missionär selbst das Zeugniß gibt, daß sie von exemplarischer Sittlichkeit, nach ihrer Weise streng fromm und fleißig sein, daß aber die Missionsgesellschuft in London sie zu einem für ihren Bekehrungseifer anszubeu-

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