Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1865)
- Article
- Zur Falaschahfrage
- Date
- 1865-01-01
- Page
- 117 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Zur Falaschahfrage. 117 binnen zwei Jahren etwa 60 Falaschas bek ehrt hätten. Der König zeigte sich ihnen gewogen; dann trat aber plötzlich eine ungünstige Wendung ein, deren Ursachen wir nicht kennen. Der Verlauf der Dinge wird in der Mainummer des ״Journal des Mifftons evangeliques" ausführlich berichtet, und wir wollen das Wesentliche mitthetlen: Stern befand sich im September 1863 zu G o n d ar, der Hauptstadt des Königs, bei welchem er sich verabschieden wollte, bevor er eine Rundreise zu den verschiedenen Falaschagemeinden autrat. Er nahm zwei Eingeborene als Dolmetscher mit sich und ging zu Theodor, (dem König von Abyssinien) welcher sich mit seinem Hofstaat an einem Orte Namens V o g h e r a aushielt. An jenem Tage hatte der König ein Festmahl gegeben. Die Hosetikette verbietet, daß man ihm Abends, nachdem er gespeist hat, die Aufwartung macht, es sei denn, daß man ansdrücklich eingeladen worden sei. Stern wurde vorgelassen und hielt seine Anrede; es scheint aber, daß die Dolmetscher den Inhalt nicht genau wiedergegeben haben, denn der König wurde ärgerlich und ließ sie hart an; er fragte, weßhalb sie, die schon lange bei Stern in Diensten seien, dessen Sprache nicht besser gelernt hätten? Das verdiente Züchtigung. Er ließ dann sechs Soldaten kommen und die beiden Dolmetscher zu Tode peitschen. Der arme Missionär mußte diese Barbarei mit ansehen. In seiner Verzweiflung und da er nichts sagen durfte, fuhr er unwillkürlich mit der Hand an die Lippen und biß sich auf die Fing e r. Gewiß dachte er nicht daran, daß man darin eine Kundgebung des Rachegefühls sieht; in Abessinien ist dem aber so. Der König wurde jetzt noch wüthender und ließ auch Herrn Stern dermaßen peitschen, daß der unglückliche Mann, dem gewiß nichts ferner gelegen hatte, als dem grimmigen Halbbarbaren trotzen zu wollen, mehrere Tage in Lebensgefahr schwebte. Theodor ließ ihn binden und nach Gondar schleppen. Dort verweilte eben der englische Consul Cameron, der sofort zum Guten reden wollte; aber der König ließ ihn nicht vor, und gab auf eine schriftliche Mitthetlung eine sehr grobe Antwort. Inzwischen befanden sich Rosenthal und Hausmann zu Gaffat, wo die deutschen Missionäre aus Basel, welche bisher beim König in hoher Gunst standen, ihre Station haben. Sie sind ihm L