Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1864)
- Article
- Aus der Wiener Cultus-Gemeinde 5624 [Rezension]
- Date
- 1864-12-01
- Page
- 83 (sequence 7)
- Language
- German
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Aus der Wiener Cultus-Gemeinde 8624 k. rung der gewonnenen Freiheit, Jedem der sich ihr nähert die Frage stellen muß: Gehörst du zu uns öder zu unfern Widersachern." Wir glauben, daß für die gedeihliche Entwickelung der Jubenheit ganz andere Momente wichtig seien als die Wiener Gemeinde, auch erscheint es uns widersinnig und ungerecht, daß eine Gemeinde Jeden, der sich ihr nähert, um sein Glaubensbekenntniß befrage. Beabsichtigt vielleicht Herr Jellinek in der Wiener Jndengemeinde eine Reformpolizet einzuführen, deren Aufgabe sei, jedem Juden, der sich nicht über seine echt reformistische Gesinnung legitimiren kann, den Aufenthalt in der Residenz zu verweigern? Oder will er gar eine religiöse Inquisition, ein hochnotpeinliches Neformvehmgcricht kreiren? Und wer sollte in diesem Falle der Großinquisitor, der oberste Richter sein? Gewiß Herr Jellinek, — Ein Zwerg — ein Torquemada. Oder will er blos eine mäßige gelinde Controle einführen, ein religiöses Paßwese», und Reformpässe erteilen — gegen eine gewisse Abgabe? Oder soll etwa die Wiener jüdische Cultusgemeinde bei der hohen Regierung gcsuchlich cinschreiten, die Wohlthat der Freizügigkeit jenen Juden zu entziehen, welche nicht auf die Fahne des Reformjudenthums geschworen? Die Idee ist schön und kühn rmd ganz eines Jellinek würdig, allein die maßlose Keckheit, welche die ösieutliche Aeußerung derselben involvirt, hätten wir diesem liebenswürdigen Mtdraschmännlein nicht zugemuthet. — S, 56 und 57 geräth der Verfasser in Ertase über die heilsame und beglückende Wirkung des geregelten Gottesdienstes in der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien. Da schildert er auf die gassenbubenhafteste Weise, wie die Juden nicht blos mit den Lippen, sondern auch mit Händen und Füßen reden, wie sie ungeschickt und unbeholfen seien in Haltung, Bewegung uud Geberden, und spricht dann aus das große Wort, daß diesem Uebel durch nichts so kräftig entgegcngearbeitct werde, als durch — den geregelten Gottesdienst. Nun ihr beschränkten Jünger der Orthodoxie! ihr seid von dem Wahne befangen, daß der öffentliche Gottesdienst Israels die Aufgäbe und Bestimmung habe, die Andacht zu erwecken und zu erhöhen und das menschliche Gemüth für Gott zu begeistern und zu entflammen; o! lernet doch von Jellinek, von diesem großen Meister