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Jeschurun · 1864-12-01 · Heft 3 (Dezember 1864) · p. 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 3 (Dezember 1864)
Article
Das jüdische Weib
Date
1864-12-01
Page
73 (sequence 6)
Language
German
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74 Das jüdische Weib oder verweisen muß, annähere immer die Rechte, während die Linke zurückweist (Sota 47). — Ist dein Weib klein, so ducke dich und berathe mit ihr (B. M. 59). Nie sei der Mann herrisch und gefürchtet von seinem Weibe. Die große Furcht, die der Mann bei dem Weibe zu Gibea erregt hatte, hat vielen Tausenden in Israel das Leben gekostet. Auch pflichtgemäße Erinnerungen hat der Mann mit Sanftmuth und Milde zu üben (Gittin 6 b.) - - ffiie cs verschiebene Sinnesarten im Essen und Trinke» gibt, so gibt cs auch derschiedene Sinnesarten bet Männern hinsichtlich der Aufführung ihrer Frauen. Manchem fällt eine Fliege in den Becher und er schüttet das ganze Getränk fort und mag cs nicht trinken. Das ist die Weise des Papus, der seine Frau einschließt, wen» er fortgchet. — Manchem fällt eine Fliege in den Becher, er entfernt die Fliege und trinkt den Becher, das ist die rechte gewöhnliche Weise, daß her Mann ungehindert seine Frau mit ihren Brüdern, Nachbarn und Verwandtcn verkehren läßt. — Manchem aber fällt eine Fliege in die Schüssei, er nimmt die Fliege und saugt sie aus, das ist die Weise des Schlechten, der seine Frau sich unanständig und sittenwidrig aufführen sicht, ohne sie zu hindern (Gittin 89). — Auch der Mann sei frei von Schuld, heißt cs in dem Kapitel über den prüfenden Sota- Trank. Nur wenn der Mann seiner Frau die Treue unverletzt gehalten und sich keinerlei Ausschweifung erlaubt, prüft der Trank die Treue seines Weibes! (Sota 67 b.) — Neberhaupt begegnen wir nirgends einer solchen absperrendcu Abgeschiedenheit der Frauen, wie man das ans orientalischen Sitten zn supponircn pflegte. Selbst zu Gastmälern lud inan seine Schwestern wie seine Brüder ein (Wajikra rabba); eine Stelle in der Peßikta Rabbathi (Kap. 43) zeigt uns das tägliche Leben der Frau mit Mann und Kindern ganz nach unserer heutigen Weise. Frühmorgens steht sie auf und wäscht das Gesicht der Kinder, damit sie rein zur Schule gehen. Mittags empfängt sie die Kinder wieder wenn sie aus der Schule kommen, und speist dann in Gemeinschaft mit ihrem Manne und den Kindern (siehe das.) Wenn Frauen von größerem Verkehr in der Oesfentlichkeit zurückgehaltcn werden, so ist cs nicht aus Furcht vor dem Leichtsinn der Frauen, sondern aus Furcht vor dem Leichtsinn der Männer (Bcreschith R. 8). — Wer feine Frau lieb t, wie sie sich selbst und sie ehrt mehr als sich, seine Sohne und

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