Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 2 (November 1864)
- Article
- Eine neue Mortarageschichte [Nachricht]
- Date
- 1864-11-01
- Page
- 65 (sequence 3)
- Language
- German
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65 das Kind zu überliefern. — Wie dem nun auch sei — in jedem Falle hat hier — und das ist als der charakteristische Hauptpunkt hervorzuheben — eine hinterlistige Entführung eines jüdischen Knaden aus seiner Familie, nattgesunden, dessen Reclamation stets vcrgeblich an einem unerbittlichen non possumus scheitern würde. — Würden die katholische Priester die Handlungsweise der jüdischen Nabbinen, ׳ welche keinerlei Proselptenmacheret betreiben und in die Genossenschaft ihres Gesetzes andern Cnlte» Angehörige nicht auf-- nehmen, auch zu der Ihrigen machen — cs würden Ereignisse, wie die vorliegenden nicht existtren." Der weitere Verlauf wird durch eine Correspondenz der ״Patrie" aus Nom vom 6. August ergänzt. ״-Bestürzt durch diesen Vorfall, wandte sich die Familie Coön an den französischen Gesandten um seine Protektion zu ge- Winnen. Herr von Sartigcs bemühte sich das Kind im Namen sei- »es Vaters zurückznforder». Zu gleicher Zeit rieth er diesem sich mit zwei Zeugen in's Kloster zu begeben und zu verlangen, daß man ihn sein Kind sehen lasse. Allein als er dies noch denselben Tag versuchte, wollte man ihm nicht einmal die Pforte öffnen. Durch ein Mauerfenster theiltc man ihm mit, daß das Kind sich wohl befände, seine Familie möge ganz beruhigt seinetwegen, sein, zwei Personen hohe» Ranges, die am Morgen ihn besucht, um ihn zu ver- Horen, hätten erklärt, daß sein Kind in einigen Tagen getauft werden könne! — Diese dem Gesandten Frankreichs hinierbrachte Mittheilung, wurde der Gegenstand einer zweiten Note, welche Sc. Erc. an den Cardinal Antonclli richtete; ebenso wurde ein ausführlicher Bericht über den Vorfall an S. M. den Kaiser gesandt. Dieses Ereigniß erinnert an die Entführung eines israelitischen Kindes aus dem Hause seiner Eltern — Franzosen — durch die römischen Priester unter dem Pontisicate Gregor XVI. — Der Gesondte Frankreichs reklamirte damals. ,,Vergessen Sie nicht, Herr Gesandter," aniwortete der Papst, ״daß wir Herr sind in unsern Staaten, und daß wir vor Drohungen nicht znrückweichcn." Weitere Bemühungen blieben ebenso erfolglos. Darauf überreichte Herr Gnizot eine Note, bündig und entschieden, des Inhalts: ״Die Regierung Frankreichs, deren Aufgabe es ist, Freiheit und Lebe» ihrer Unterthanen zu schützen, fordert von dem päpstlichen Hof die sofortige Auslieferung des französische» Knabe». Im Falle die Regierung Sr. Heiligkeit dieser gerechten Forderung nicht Folge leisten würde, so benachrichtige ich Ee. Ein., daß die desfallsigcn Anordnungen getroffen sind, damit eine Flotille mit vier Regimenter an Bord sich Fiumicino nähere, dann sind Sie gezwungen uns das Kiub zurückzugeben, das uns angehört." Nach Verlauf von 6 Stunden nach Uebcrgabe dieser Note, bcfand sich der Knabe in den Armen seines Vaters.