Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 2 (November 1864)
- Article
- Eine neue Mortarageschichte [Nachricht]
- Date
- 1864-11-01
- Page
- 66 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932950-2949064--09241-2949103- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66. Zum Beschluß führen wir die erste Hälfte eines Artikels des Jom׳, d. D6b. an, — die zweite Hälfte bespricht die politische Seite dieses Falls. ״Die öffentliche Meinung bewegt ein Fall, der sich soeben in Rom ereignet und Zug für Zug die Geschichte des jungen Mortara iisis Gedächtniß ruft. — Der zehnjährige Josef Coön, Sohn eines armen römischen Handwerkers, israelitischer Religion wurde von einem Agenten der katholischen Mtssionsanstalt aus der Werkstätte, in welcher er arbeitete, entführt und zurückgehalten in der Katechumenenanstalt, in welcher die israelitischen Prosclyten der katholischen Religion, ausgenommen und unterwiesen werden. Nachdem der Vater des jungen Coön vergebens sein Kind zurückverlangt hatte, soll er sich um den hohen Schutz des Herrn v. Sartiges, des französischen Gesandten in Rom, beworben haben. Da die Familie Coön nicht de« französischen Untcrthanen angehört, so hatte Herr v. Sartigcs allerdings keine Besugniß zu officteller Intervention zu dessen Gunsten; er soll jedoch in der außerordentlichen Stellung als Re- Präsentant einer Schutzmacht, die er am päpstlichen Stuhle bekleidet, hinlängliche Berechtigung gesunden haben, um sich an die päbstliche Regierung mit den Verhältnissen entsprechenden Vorstellungen in ofiicivser Weise zu wenden. Diesen Vorstellungen soll zur Antwort geworden sein, daß der junge Coön den festen Entschluß zu erkenncn gegeben habe, Christ zu werden, und es daher dem päpstlichen Stuhle nicht zustehe, einem Willen, der sich so unerschütterlich zeige, entgegenzutreten. — Wie man versichert, habe Herr v. Sartiges, in Folge eines seiner Regierung übersandten ausführlichen Berichtes über die Einzelheiten des Vorfalls und den Erfolg seiner Juterventton, von Herrn Drouyn de Lhuys ausführliche Instruktionen erhalten, die in ihrer Fassung den Styl der Achtung vor dem heil. Vater wahren, dabet aber das Gepräge einer sehr,großen Entschiedenheit, wenn nicht eines gewissen strengen Ernstes tragen sollen. Den Bericht dieser Thatsachen, welche, wie es scheint, man heute für gewiß annehmen darf, haben wir einer vor Kurzem vom Oour. ä. Dim. veröffentlichten Version entlehnt die wir allen Grund haben, für wahr zu halten. — Das dour. 1’Union mag sich die Sache drehen und wenden so viel ihm beliebt; es mag sich ungläubig der Intervention des Herrn v. Sartiges gegenüber zeigen — wir sordern es auf sie offen zu verneinen. Wir sehen hiermit die päpstliche Regierung zum zweiten Male seit sechs Jahren, angeklagt und auch durch ihr eigenes Geständniß überführt, eine Entführung begangen oder veranstaltet zu haben, eine That welche in den Gesetzbüchern aller ctvilisirten Nationen als Verbrechen bestraft wird. Die zartesten Familtenbande, die heiligen Rechte väterlicher Autorität sind hier zum zweiten Male ,chmählich