Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 2 (November 1864)
- Article
- Eine neue Mortarageschichte [Nachricht]
- Date
- 1864-11-01
- Page
- 64 (sequence 2)
- Language
- German
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64 und somit der Gewaltthätigkeitsakt dessen Opfer sie beide sind, für unangreifbar erklärt werden könnte." Ein anderer Bericht — der Independ. beige — vom 29. Juli entnommen, lautet: ״Rom war vor kurzem der Schauplatz einer That, welche an die Mortarascene erinnert. Michel Coen, Kaufmann aus dem Ghetto, wohnhaft Via rua 113, hatte seinen zehnjährigen Sohn in die Lehre zu einem Schuhmacher in der Via de Quattro Capt 14, gegeben. Ein in der Nachbarschaft wohnender Priester hatte bei dem Schuhmacher ein paar Stiesel bestellt, und ganz besonders eingeschärft, daß man sie ihm durch diesen kleinen Knaben übersende, welchem er dafür ein Trinkgeld von 5 Bajocco versprach. —- Begierig einen solchen Schatz zu besitzen, ging der Knabe zu dem Priester in's Haus — und kehrte nicht wieder zurück. Die Mittagszeit war gekommen, und der Vater suchte sein Kind in der Werkstätte; wo man ihm jedoch mittheilte, sein Kind sei mit Aufträgen ausgesendet worden und noch nicht zurückgekommen. — Allein als nun auch Nacht wurde, ohne daß der Knabe in's Väterliche Haus zurückgekehrt war, steigerte der Vater — durch diese andauernde Abwesenheit seines Kindes beunruhigt — die Nachfrage nach ihm durch entschiedenere Nachdrücklichkeit. So zeigte man ihm dann die Wohnung des Priesters, der ihn zu sich gelockt. Dort erfuhr er, daß sein Kind in die Anstalt für Neophyten gebracht worden sei, wo man Inden, die sich bekehren wollen, die Mysterien der katholischen Religion lehrt. In dieser Anstalt, wohin sich der Vater begeben hatte, gab man ihm anfänglich zur Antwort: man wisse nicht was er meine, am folgenden Tag jedoch, gestand man endlich ein, daß das Kind hier ausgenommen worden sei, und daß man es nicht wieder herausgeben werde, — es sei auch ihm — dem Vater — nicht gestattet weder es zu sehen noch zu sprechen. — Ich konnte nicht erfahren, ob cs dem Priester durch Ueberredüng, List oder Gewalt gelungen war, das Kind in das Neophytenkloster zu entführen. Das aber steht fest, daß er dort sich befindet, und auch gewiß sehr sorgfältig auferzogen werden wird, ״avec de bonbons et des confitures" damit er auf eventuelles späteres Befragen antworte, daß er sich dort wohl befände und dort bleiben wolle. Zur Vervollständigung des Thatbestaudes soll hier noch einiger Umstände untergeordneter Wichtigkeit Erwähnung geschehen. Man erzählt, daß der Schuhmacherladen fleißig von dem Priester besucht worden sei. Der Laden besteht seit kurzer Zeit, und ist von drei Afsocie's etablirt; diese drei — gebürtig aus Alcamo in Stcilien, stehen unter dem Verdacht, thätigen Antheil an der neapolitanischen Brigandage genommen zu haben, und man glaubt, daß zwischen ihneu und dem ׳ Entführer eine Vereinbarung getroffen war, diesem