Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 12 (September 1864)
- Article
- Das jüdische Weib
- Date
- 1864-09-01
- Page
- 403 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Rahel und Lea. 403 Auch das Verhalten der beiden Schwestern zu einander erscheint als ein durchaus freundliches und trauliches. Wir haben darüber freilich nur eine Stelle. Allein eben diese zeigt sie uns — soweit wir sie verstehen — tut harmlosen gegenseitigen Scher;. Schwerlich kann nämlich das המעט קחחך אח אישי u. s. w. der Lea irgendwie ernst gemeint gewesen sein. Wie sollte sie, deren ganzes Leben in die Werthschätzung der Liebe ihres Mannes aufging, diese nun'in so unwürdiger, ja sinnloser Weise mit einem so geringfügigen Gegenstand wie eine wildwachsende Feldblume zusammen paaren. ״Du hast, mir bereits meinen Mann genommen und willst nun noch gar die Blumen meines Kindes haben!" ״Du hast mir bereits eine Million gestohlen und nun soll ich dir gar noch eine Stecknadel geben". Vielmehr vermögen wir in dem Ganzen nur einen harmlosen Scherz zu erblicken. Lea's Knabe bringt Blumen vom Felde nach Hause und gibt sie der Mutter. Rahel sitzt bei ihr unb erbittet sich von diesen Blumen. Du forderst viel, scherzt Lea, hast meinen Mann schon und nun noch gar Blumen meines Sohnes, gibt sie ihr aber. Nun dafür, לכן, daß du so freundlich warst, soll er auch heute Abend dein Gast sein, war die ebenso freundliche Entgegnung Nahel's. Rahel starb jung auf der Heimkehr nach Kanaan und fand ihr Grab nicht im heiligen Lande in der Grabstätte der Väter und Mütter. Noch aus seinem Sterbebette gedenkt Jakob ihrer mit Wehmuth, daß ihr, diesem einzigen Weibe seiner Wahl und seines Herzens, kein Denkmal nationaler Erinnerung geblieben. Es war ihr nicht beschieden Jakob den Erstgebornen der einstigen Völkerstämme zu gebären, und wenn einst die Volkesenkel zu Machpela die Gräder der Väter und Mütter besuchen, fällt die Thräne ihrer Erinnerung nicht auf Rahels Grab. Diese Erwägung bestimmte Jakob ihr durch Adoptirung ihrer beiden Enkel Ephraim und Menascheh das Nationalgedächtniß seiner Liebe zu stiften, und dadurch ihren Sohn Josef faktisch das Recht des Erstgeborenen genießen zu lassen. Noch in seiner letzter Stunde — wenn wir die Worte recht verstehen — als er segnend seine Kinder überschaute, erhebt er sich an Rahels Erinnerung, und weiht ihr Worte des Gedächtnisses in dem Segen seines geliebten mit dem Diadem der Weisheit und Tugend und Hoheit unter Menschen gekrönten Sohnes. Den Adel des Geistes und der Gesinnung hat Josef nicht erst vom Leben und im Le-