Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 12 (September 1864)
- Article
- Das jüdische Weib
- Date
- 1864-09-01
- Page
- 402 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932933-2932946-2948949--09121-2948964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
402 Das׳ jüdische Weib. IV. menschlichen Daseins zu umwandeln; endlich Gad und Ascher, wohl auch äußeres, züfallendes, unerwartetes Glück, aber nur Ascher, innere Beseligung, geistiger und sittlicher Reichthum die wahre Glückseligkeit der Ehe; das sind die Augenmerke, das ist der ״Ehestands- Katechismus", den Mutter Lea in ihren Kindern, ihrem Volke hinterlassen. Wenn Kinder, Banim, die eigentlichen Bausteine sind, mit welchen das Gesammthaus Israels und jede EinzelhüLte in ihm ausgebaut wird, so hat Lea uns zugleich in dem Namen ihrer Kinder auf den geistigen und sittlichen Bau-Stoff und Mörtel hingewiesen, der den glücklich heitern Ausbau dieses Hauses und dieser Häuser bedingt. Während aber Lea, die Wehmüthtge, gewürdigt ward, die heitern, beglückenden Seiten des Ehelebens zu erringen und zu verewigen, har Rahel, die Glückliche, die ernsten, prüfungsvollen Seiten gekostet und in die Namen ihrer Kinder uiedergelegt. Diese Namen Dan und Naftali, mahnen an das Gottesgericht und au die inneren und äußeren Kämpfe, die wir zu bestehen haben, und als sie nach langem Harren endlich ihren Erstgeborenen auf dem Schooße hatte, ging sie nicht in das beglückende Bewußtsein der Besriedigung auf, sondern sah in dem Gewährten nur eine Abschlags- Zahlung, nur die Hoffnung auf fernern Kindersegen, und nannte ihn, unbefriedigt, Joßef, und als ihr nun in dem zweiten Sohn diese Befriedigung, diese Erfüllung ihrer Hoffnung winkte, mußte sie diese Befriedigung unb Erfüllung mit ihrem Leben bezahlen und konnte dasaus ihrem Tode zum Leben erstehende Kind, sterbend, nur Benoni nennen. Daß aber überall unsere Nationalstämme ihre Namen von den Müttern haben, daß nicht Jakob, sondern Lea und Rahel seiner Söhne Namen bestimmte, das geugt wiederum, welche Stellung die Frauen im Jakobshause hatten, wie sie im häuslichen Kreise nicht nur nicht erniedrigt, sondern die entscheidenden waren, und Jakob die Würde seiner Frauen achtete und ehrte. So trifft er auch den entscheidenden Entschluß zur endlichen Rückkehr in die Heimath nicht, ohne ihn zuvor mit Rahel und Lea gemeinschaftlich besprochen, ihn ihrer Einsicht und ihrem Urtheil unterlegt zu haben und entschließt sich erst dann, als sie ihre Zustimmung frei und ungezwungen erklärt.