Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 384 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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384 Aus der Zukunft. zu Dir zu eilen, und Dir die Sache mitzuthcilen. Das habe ich gethan, du hast —1״ Der Condukteur öffnete die Thur des Waggons, wieder traten andere Passagiere herein und das Gespräch der Bruder verstummte, schweigend saßen sie neben einander. Den ganzen Tag aber besauden sie sich nicht wieder allein, den ganzen Tag über sprachen sie keine drei Worte, aber Aufregung und Seelenangst sprach aus beider Zügen. Wie, wenn nun der Sohn des Vaters Warnung nicht beachtet, oder wenn sie zu spät ihn erreicht? Es war Nacht, als der Zug die Stadt erreichte, düstere unfreundliche Nacht. Schwarze Wolken hatten den Himmel überzogen, so dicht, daß kein Funkeln der Sterne sie durchdrang. Ein heftiger Wind hatte sich erhoben, hcllleuchtende Blitze durchzuckten die Luft, das ferne Donnern, das man schon seit einer Stunde vernommen, ward immer näher und stärker, der Regen floß in Strömen. Trotz des Unwetters weilten zwei Herren schon geraume Zeit dort am Bahnhofe, langsamen Schrittes die Hallen durchwandelnd, von einem Ende zum andern. Es war der junge Willmann und Herr Braun. Schweigend schritten sie nebeneinander einher, in dem Toben der Elemente hätte ihre Stimme doch verhallen müssen. Jetzt tönte die Glocke, die Lokomotive brauste einher und die Herren eilten hinaus, die Reihe der Wagen entlang den Erwarteten zu empfangen. Bald hatte der junge Mann seinen Vater umarmt und ihm den Onkel seiner Braut vorgestellt, uub begrüßte nun auch den eigenen Onkel auf's freundlichste. ״Du bist doch noch nicht vermählt?" fragte der Vater mit unsicherer Stimme. ״Ich habe deinem Befehle gemäß, deine Ankunft, lieber Vater, abgewartct und freue mich herzlichst, nun auch dich lieber Onkel als Gast zu meiner Hochzeit zu sehen." Es war gut, daß die Nacht so finster, so wurde er wenigstens den Schmerz in seines Vaters Antlitz noch nicht gewahr. Herr Braun winkte einem Fiaker, die Herren stiegen ein. Als sie das Hotel erreicht und Braun um nicht zudringlich zu erscheinen, sich empfehlen wollte, bat Erncst ihn dringend, er möchte sie doch hinauf begleiten, um in Gemeinschaft mit seinem Vater die Stunde seiner morgigen Trauung zu bestimmen. Man trat ins Zimmer, der Kellner zündete die Kerzen an und