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Jeschurun · 1864-08-01 · Heft 11 (August 1864) · p. 385

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 11 (August 1864)
Article
Aus der Zukunft
Date
1864-08-01
Page
385 (sequence 17)
Language
German
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Von S .. . 385 ließ die Herren allein. Ernest half seinem Vater den Reiseüberwurf ablegen, nun erst bemerkte er dessen leidendes Aussehen, er wandte den Blick fragend zu dem Onkel. ״Um Gotteswillen, was ist vorgefallen?" rief er, ״ein Unglück muß es sein, das sehe ich an beinen Mienen." ״Ich bin ermüdet, mein Sohn, das Fahren hat angestrengt." ״Aber weßhalb diese Reise, auf die Du verzichtet, und die Du gegen den Willen des Arztes nun doch unternommen? um desHimmels willen laßt mich nicht länger in dieser qualvollen Ungewißheit, meine Mutter — ״ ״Sie ist gesund Erncst, das schwöre ich Dir", nahm sein Onkel das Wort, ״aber dein Vater ist ermüdet, gönne ihm Zeit auszuruhcn, bestürme ihn heute nicht mehr." ״Nun wohl, so will ich mich gedulden, morgen wirst Du Dich hoffentlich kräftiger fühlen, wolle nur für heute noch bestimmen, zu welcher Stunde Du morgen die Trauung wünschest, meiner Braut und Schwiegermutter ist jede Stunde genehm." Das nervöse Zucken in dem Angesicht des Vaters zeigte sich wieder; er wollte reden, aber die Stimme versagte ihm. Tiefes Schweigen herrschte im Zimmer, man hörte den beklommenen Athem einer jeden Brust. Die Hände auf's Herz gepreßt lehnte Ernest über dem Fauteuil, ans dem sein Vater zitternd da saß. Herr Braun hatte sich erhöbe», sein Blick ruhte fragend auf dem Rabbiner Willmann- Dieser fühlte, daß an ihm es sei zu reden, doch wünschte er zuvor, den leidenden Bruder zu entfernen', der aber wollte hiezu sich nicht verstehen. ״Sprich," murmelte er, ״er muß ja doch es erfahren." Und nun begann der Rabbiner in den zartesten, rücksichtsvollsten Ausdrücken seinen Neffen und Herrn Braun mit der Lage der Ver- Haltnisse bekannt zu machen. Leichenblasse überzog das Angesicht des Ersteren; es war Herzzerreißend, den Schmerz, der sich in den jugendlichen Zügen ausprägte, zu beobachten; sprachlos starrte er vor sich hin; Zornesrvthe aber glühte in dem Antlitz des Andern. ״Herr," ries er, ״der langen Rede kurzer Sinn ist, daß Sie meine Schwester zur Ehebrecherin stempeln wollen, das aber ist Verleumdung, schändliche schmähliche Verleumdung. Ihr erster Gatte war ein Schurke, das ist wahr, erst vor wenigen Jahren ist er in Amerika im Kerker gestorben. Um den Folgen eines betrügerischen Bankerotts sich zu entziehen,

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