Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 382 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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NuS der Zukunft. tropfen bedeckte Stirn. ״Wie ich mich fühle, baS wüßte ich wirklich dir kaum zu sagen, ich glaube Du kannst es Dir denken, daß ich an mich heute noch keinen Augenblick gedacht, aber Ernest, Ernest mein armer armer Junge. Ist denn aber die Sache in der That konstatirt, können wir ihm nicht einmal den Trost eines Zweifelnoch lassen?" Der Andere zückte die Achseln, ״wenn Zweifel ein Trost ist, so können wir ihm den allerdings sür's Erste wohl noch lassen, ich aber hege keinen mehr, die Sache ist erwiesen, ich habe über alle Verhältnisse die genauesten, zuverlässigsten Erkundigungen eingezogen." ״Und wie ist denn eigentlich die ganze Thatsache bekannt geworden? seit derselben müssen doch mindestens bereits achtzehn Jahre verflossen sein. Als. ich heute Morgen die Augen aufschlug und Dich, den ich ruhig in deiner Heimath bei den Deinen wähnte, an meinem Bette erblickte, und du mir das ganze schreckliche Resultat Deiner Nachforschungen mittheiltest, da fühlte ich mich durch den Schrecken wie betäubt, ich hatte nur das grenzenlose noch größere Unglück vor Augen, daS hätte erfolgen können, wenn wir von den Verhältnissen erst später Nachricht erhalten, und willenlos wie ein Kind that ich, was Du sagtest, ich müsse es. Nur allein wollte ich Dich nicht zu ihm lassen; zwar füble ich nickt die Kraft, selbst ihm sein Mißgeschick zu eröffnen, aber gegenwärtig will ich sein wenn Du es thust, an des Vaters Herz soll er weinen können, mein Arm soll ihn stützen, wenn er wankt. — Nun aber sage mir wie hast du es erfahren?" ״In der vorigen Woche," erwiderte der Andere, ״erhielt ich vom Gericht eine Vorladung; an dem bestimmten Tage begab ich mich dorthin und wurde dort mir mitgetheilt, daß vor mehreren Jahren eine Frau, eine Jüdin von ihrem Manne böswillig verlassen worden; Niemand wußte, wo er sich befand. Auf Anzeige der Frau hätte nun das Gericht sich veranlaßt gesehen, diesen Mann für verschollen zu erklären, ein Curator ward vom Gericht ernannt der der Frau den Scheidebrief übergeben sollte und ich, als Rabbiner, aufgefordert bei Uebcrgabe desselben zu interveniren. Ich erklärte mich hierzu natürlich außer Stande und fügte hinzu, daß nach jüdischem Gesetz eine Ehescheidung ohne Gegenwart des Mannes eine Unmöglichkeit sei, es sei denn, daß dieser persöntich einem von ihm Bevollmächtigten den Scheidebrief für seine Frau übergeben hätte. Der Gerichtspräsident, eiü braver rechtschaffener