Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 381 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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330nS... 381 auf. ״Fräulein Maier. Herr Braun läßt Sir bitten, sich auf einen Augenblick zu ihm bemühen zu wollen." Zitternd eilte Bertha hinans, die Thür fest hinter sich zudrückend. ״Um des Himmels willen Onkel, was ist geschehen, wo weilt Ernest?" In schonendster Weise suchte Herr Braun seine Nichte mit dem Stande der Verhältnisse bekannt zu macken. Bertha stand wie erstarrt, sie vermochte es nicht zu fassen. ״Ernest ist erkrankt, schwer erkrankt," rief sie, unfähig dem Vernommenen Glauben zu schenken. Der Onkel schwur ihr das Gegentheil, suchte in jeder möglichen Art sie zu beruhigen, und versprach ihr endlich, sie später hinüber zu ihrem Verlobten zu geleiten. Nur für den Augenblick bat er sie, sich in ihr Zimmer zu begeben bis die Gäste sich entfernt. Dann eilte er, auch seine Schwester von dem Vorgcfallenen in Kenntniß zu setzen, und nun erst thcilte er den übrigen Anwesenden mit, daß ein heftiges Unwohlsein den Bräutigam plötzlich befallen und der Arzt ihn außer Stande erklärte, die Trauung für heute vollziehen zu lassen. Aufregung und Theilnahme waren allgemein, man beklagte den jungen Mann, bedauerte die Braut und eilte sich zu entfernen, um die betrübte Familie sich ungestört mit dem Erkrankten beschäftigen zu lassen. Zur selben Zeit saßen in einem Waggon in dem Schnellzuge, dessen Ziel eben jene Stadt in der obige Scenen sich zutrugen, zwei Herren. Der Eine in den sog. besten Jahren, nahe den Vierzigern, der Andere um mehr als zehn Jahre älter, beide ehrwürdige Gestalten. Der Aeltcre schien eine schwere Krankheit erst unlängst überstanden zu haben, sein schmales faltiges Gesicht zeigte eine fast marmorne Blässe, aber die unaufhörlich zuckenden Mundwinkel vcrriethcn auch eine furchtbare Gemüthsaufregung. Besorgt ruhte des Ander» Auge auf ihm. Schon seit mehreren Stunden befanden sich beide unterwegs, doch hatten sie bisher nur wenige Worte gewechseit; die Gegenwart ihrer Mitreisenden schien ihnen Schweigen aufzuerlcgen, nur von Zeit zu Zeit drückte der Jüngere des Aelteru Hand, leise einige Worte flüsternd. — Jetzt endlich hatte der letzte ihrer bisherigen Reisegefährten das Coupe verlassen, und sie befanden sich allein. Schweigend saßen sie noch eine Zeit lang neben einander. ״Wie fühlst du dich, Jakob?" nahm endlich der Jüngere das Wort, ״strengt das Fahren dich nicht allzusehr an %u Der Angeredete fuhr sich mitflacher Hand über die mit kalten Schweiß-