Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 380 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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380 KttS der Zukunft. f starb seine Mutter, aber erst mehrere Tage später erfuhr er ihren Tod. — Warum habt ihr mich nicht davon benachrichtigt? rief er unaufhörlich jammernd, — und der Gedanke, daß in jener Stunde die er für die glücklichste seines Lebens gehalten, seine Mutter ) mit dem Tode gerungen erschütterte ihn so mächtig, daß noch | heute ein tiefes Gemüthsleiden ihn umfangen hält. Mein Gott, j mein Gott!" und er bedeckte das Gesicht mit beiden Händen. ״Be- 1 ruhigen Sie sich, Freund, Sie sind aufgeregt und die aufgeregte Phantasie ist der schrecklichste Maler. Ihr Vater ist ja heute abge- { reist, Ihre Familie muß demnach sich Wohlbefinden." ״Aber ein Unglück muß geschehen sein, wie ließe sich's sonst erklären —" ״Aber was für ein Unglück könnte geschehen sein, um ein der- 3 artiges Verlangen zu erklären?" —-—-— — — I Die Jalousien waren geschloffen und der geschmackvoll dekorirte j Saal strahlte im Glanze eines Lichtmcerö. Alle Verwandte und; Freunde der Braut waren schon versammelt, alles war bereit; hier ] sollte die Vermählung stattfinden, nur das Brautpaar fehlte noch — j In einem Nebenzimmer saß Bertha im Kreise ihrer Freundinnen, ihres Verlobten harrend. Ein langer weißer Schleier an einer Myrthenkrone auf dem Haupte befestigt um hüllte die liebliche Gei statt. Das Gewicht des Momentes, dem sie entgegeniah, hatte den rosigen Schimmer, der sonst ihr Antlitz schmückte, verscheucht, demselben hierdurch aber nur noch neuen Reiz verliehen. Munter plauderten die Mädchen, Bertha's Auge aber hing unverwandt an der Pendule ihr gegenüber, und sie war kaum im Stande lächelnd die Scherze ihrer Gespielinnen entgegenzunehmen. — Schon fünfzehn Minuten waren über die zur Trauung bestimmte Zeit verflossen, und weiter, unaufhaltsam weiter rückte der Zeiger — eine volle Stunde verging und ihre Stimme ward immer leiser, gepreßter wenn sie die an sie gerichteten Kragen beantwortete. — Diese gedrückte Stimmung theilte sich endlich auch den Uebrigen mit, das Lachen hörte auf, die Unterhaltung ward einsilbig und endlich trat ein Augenblick ein wo sie ganz verstummte, wo man nur daS leise 4 Ticken der Uhr vernahm. Jetzt ward die Thür geöffnet, alle fuhren