Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 377 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S . . . 377 chen mir zur Heile, und alle den fremden Leuten essen zuschen, das gefällt mir auch nicht." ״Schade, daß Sie uns nicht früher mit Ihrer Ansicht beglückt, jetzt ist's zu spät, die Gäste sind geladen." ״Es ist eine uralte und über die ganze Erde verbreitete Sitte, jede Hochzeit als das freudenvollste Ereigniß zu feiern, bet den civtltsirtesten Nationen wie bei den rohesten Wilden finden wir sie, als ob eine jede das Glück der Menschheit fördern würde, und wie oft schlägt unter dem Atlasgewand der mit Diamanten beladenen Braut ein im Schmerz zuckendes Herz." Verwundert blickten die Verlobten die Mutter an, solche Worte hatten sie noch nie ans ihrem Munde vernommen, und wie auS eigener Erfahrung schien sie zu sprechen und dennoch wußten sie, daß sie mit ihrem verstorbenen Gemahl in glücklichster, nur allzu kurzer Ehe gelebt. Ihr Bruder aber schlang seinen Arm um sie: ״mache den Kindern das Herz nicht schwer, sie werden glücklich sein." Mit zuversichtlichem Lächeln schauten diese einander an, konnte hieran Jemand zweifeln? In heiterer Unterhaltung schwand der Rest des Abends. Es ward spät, man schien sich heute gar nicht trennen zu können. Wiederholt zwar hatten die Herren sich schon erhoben, aber eben so oft sich wieder niedergesetzt; immer hatte man noch etwas zu hören. Endlich faßte der Onkel den Bräutigam unter'm Arm. ״Nun genug, wir müssen den Damen Ruhe gönnen, sonst erscheint morgen die Braut mit blaßen Wangen und rothen Augen und die Welt wird sagen, nur gezwungen reiche sie Ihnen die Hand." Noch eine Umarmung des Brautpaars und man schied. Berthas Onkel begleitete den Verlobten bis zu dessen Hotel, das der Wohnung seiner Braut gegenüber lag. ״Morgen haben Sie einen halben Tag Hausarrest; die hiesige Sitte verbietet, daß Sie früher mit Ihrer Braut beisammen sind. Mittags jedoch werde ich mir das Vergnügen machen. Sie abzuholen. Halten Sie sich bereit, lich warte nicht gern", fügte er lächelnd hinzu. Mit herzlichem Hänbedruck trennten sie sich. Es war gegen elf Uhr des folgenden Tages, der Bräutigam befand sich im Hotel in seinem Zimmer, und zählte ungeduldig die Minuten die dieser gar nicht enden wollende Vormittag noch zu durchaufcn hatte׳ Eben beschäftigt die zur Hochzeitstvilette erforderlichen 24*