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Jeschurun · 1864-08-01 · Heft 11 (August 1864) · p. 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 11 (August 1864)
Article
Aus der Zukunft
Date
1864-08-01
Page
374 (sequence 6)
Language
German
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374 Aus der Zukunft. Er hatte einen Arm um sie geschlungen und hielt mit der andern Hand die ihre. ״Die Sonne ist untergcgangen," flüsterte er endlich, ״und wenn sie nun wieder erscheint, so erhellt sie den glücklichsten Tag meines Lebens. Morgen — morgen — das Herz klopft mir als wolle es zerspringen — Bertha - " Er drückte sie fester an sich, mit leidenschaftlicher Innigkeit sie betrachtend. ״Aber was ist das?" fuhr er bestürzt fort, ״du weinst? — Theilst du denn weine Wonne nicht? fühlst du dich nicht glücklich, morgen schon ganz mein zu sein, liebst du mich nicht mehr?" ״Ob ich dich liebe?" und sie schlug lächelnd den feuchten Blick zu ihm auf, ״das kannst Du fragen? — O wie oft bin ich hier gesessen und habe an Dich gedacht, und die Tage, die Du fern von mir weiltest, sie erschienen mir wie die Wellen, die dahin rauschen und vergehen, ohne eine Spur zurückzulassen'; o wie oft habe ich Dich hcrbetgesehnt." ״Und doch füllten Thränen deine Augen, als ich vom morgtgen Tagen sprach und aus deinem Antlitz sprach nichts weniger als Freude." ״Und doch empfinde ich sie, aber eine seltsame Augst erfaßte plötzlich mein Herz, als ich Dich so zuversichtlich von morgen sprechen hörte—" ״Weil ich das so gebräuchliche ״so Gott will" nicht hinzugefügt?" entgegnete er lächelnd, ״ja sieh, das will nie über meine Lippen. Geschieht denn Wohl irgend etwas, oder vermag der Mensch das Geringste ohne seinen Willen? also das ״so Gott will" versteht sich ja stillschweigend von selbst. Höre ich aber irgend einen Vorsatz oder eine Hoffnung aussprechen und es hinzusetzen, so erscheint es mir immer, als glaubten die Menschen, sie könnten Wohl auch etwas ohne ihn, wollten jedoch aussprechen, sie seien zu fromm und wollten daher Nichts gegen seinen Willen." Sie schüttelte den Kopf. ״Wenn ich sage so Gott will, so spreche ich damit aus: stünde es selbst in meiner Macht gegen seinen Willen zu handeln, so will ich es doch nur mit demselben. Aber nicht das war es, was mich während deines Redens so schmerzlich berührte — ich weiß Dir's wirklich kaum 'zu sagen —i es gibt zuweilen Momente, in denen uns plötzlich eine Vorstellung, ein Gedanke ergreift, den auszusprechcn hundertmal dieselbe Zeit erfordern würde" ״Also?" ״Nein, laß mich's nicht erzählen, sprich Du lieber, ich höre Dir so

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