Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S . . . 373 Hell erleuchtet waren alle Räume am Abend des bestimmten Tages, rauschende Musik erscholl weithin. Im Nachbarhause lehnte ein Mann im offenen Fenster, und ließ die blauen Dampfwolken seiner Havanna!) htnaufsteigen tn die milde Abendluft. ״Wie Herr Müller", redete ein Vorübergehender, indem er bei ihm stehen blieb, ihn au, ״Sie sind zu Hause? sind Sie denn nicht bei Kohn geladen?" ״Geladen bin ich wohl," war die Antwort, ״aber ich habe mich die ganze Woche hindurch über das Treiben in dem Hanse so sehr geärgert, daß ich aus Aerger nicht hingegangen." ״Geärgert? und worüber denn? es soll ja ein ganz großes Fest sein." ״Eben deßhalb, man sollte ja glauben die Leute mäßen das Geld in Scheffeln. Wissen Sie wie mir das Ganze vorkommt?" ״Nun?" ״Wenn ich eine besonders auffallende Verzierung an einer Wand sehe, so glaube ich immer es müsse ein Riß dahinter sein; kommt mir irgend wo ein besonders auffallender Parfüm entgegen, so denke ich mir immer, er solle irgend einen Uebelgeruch verdecken, wer weiß, was dieser ungeheuere Aufwand verdecken soll?" — — Der Mann hatte Recht gehabt. Wenige Wochen nach dieser glanzollen Fete, stellte das Haus Kohn seine Zahlungen ein, wenige Tage darauf war sein Chef verschwunden. — Ein Jahr nach seinem Verschwinden ward seine Frau bei Gericht klagbar und verlangte Scheidung. Diese ward vollzogen, und kurze Zeit daraus reichte sie einem braven, rechtschaffenen jungen Mann, Namens Maier, ihre Hand.-— — — — — — Es war gegen Abend, langsam schien der purpurne Sonnenball hinab zu sinken in die Fluthen, den ganzen Horizont in Gluth einhüllend. Leise rieselnd schlängelte sich der Fluß durch die freundltch lachenden Fluren, ein Chor jubilirender Vogelstimmen erscholl aus den Gärten, die sich an dem einen Ufer hinzogen, und die Luft mit süßem Blumenduft erfüllten. In einem derselben, in einer Jasminlaube, die die Aussicht auf das Wasser bot, saß ein junges Paar, ein Brautpaar, das konnte man leicht erkennen, an den glühenden Blicken des jungen Mannes, die auf dem Mädchen ruhten, und an dem unschuldsvollen Zutrauen mit dem ihr schönes Lockenhaupt auf seiner Schulter lehnte — Schweigend saßen sie eine Zeitlang da.