Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Aus der Zukunft. und um ganz sicher zu gehen, lasse ich mir's geben und schließe cs ein. Aber nur so lange ich die Köchin, bet der es trefa geworden, behalte. Geht die fort und kommt eine Andere, so ist alles wieder koscher." ״Nein, liebe Freundin, sehen Sie, das würde ich nicht thun, würde mein Mann auf dergleichen sehen so würde auch ich —״ ״Ach beste Frau Kohn das sagen Sie jetzt, wären Sie jedoch in Meinem Falle, so bin ich überzeugt Sie machtens wie ich." ״Nein, nein, gewiß nicht." ״Doch, doch, ganz gewiß und warum sollten Sie's auch nichts Ist denn die Frau verpflichtet jedem llnsinn des Mannes Folge zu leisten? — Giebt es doch aus der Welt keinen vernünftigcn Grund für dergleichen Narretheten, das müssen doch selbst unsere Rabbincn eingestehen, nicht nur unser hiesiger, sondern fast alle die größten Koryphäen unserer Zeit. Als wir vor einigen Iahren auf einer Durchreise meinen Schwager Heinrich besuchten und dieser Wein hereinkommen ließ, weigerte sich mein Mann zuerst davon zu trinken, denn er weiß, daß auch sein Bruder meinen Ansichten huldigt, dieser aber wies aus das hebräische Siegel auf der Flasche und sagte: Bon diesem Wein kannst du unbesorgt trinken, der stammt aus jener Zeit als die Rabbinerversammlung hier tagte; damals beschloß auch ich eine Anzahl dieser Herren zu bewirthcn, und war der Meinung die Hochwürdigen würden wie mein srommcr Bruder, wohl nur koschern Wein trinken, ich ließ daher eine Parthie solcher kommen, aber nicht eine einzige Flasche wurde davon geöffnet, denn meine hochwürdigen Gäste versicherten mich, daß derselbe gewöhnlich viel saurer sei als anderer und zogen es vor meinen gewöhnlichen zu trinken. Aber mein Mann nahm sich doch kein Exempel daran." Noch einige Zeit unterhielten sich die Damen in dieser Weise, lauge jedoch konnte Frau Kohn sich nicht mehr verweilen, sie hatte so viel noch zu der bevorstehenden Gesellschaft zu besorgen, daß die Zeit ihr bis dahin karg zugemessen war. Nach einer herzlichen Umarmung schied sie von ihrer Freundin. Das Fest, das Herr Kohn zu geben beabsichtigte, sollte eines der glänzendsten der Saison werden, er legte ein ganz besonderes Gewicht darauf, daß alles so prachtvoll als möglich angeordnet würde. Nur keine Kosten zu sparen, hatte er seiner Gattin dringend auempfohlen, und vorzüglich darauf zu sehen, daß bei den Anordnungen das Kostspielige derselben in die Augen falle.