Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S . . - 371 Geschirr in Gebrauch haben und so manche dumme abergläubige Gebräuche beobachten, darum schwur er, jedes Stück, das er aüs Ihrem Hause in dem unfern träfe, zu zertrümmern, eben so alles was ich Ihnen je aus meiner Wirthschaft leihen würde — gerne würde ich dennoch hinter seinem Rücken — aber Sie können sich nicht denken —" ״Nein, nein liebe Freundin, keineswegs dürfen Sic sich meinethalben Unannehmlichkeiten aussetzen. Begreifen kann ich übrigens die Skrupel Ihres Herrn Gemahls recht wohl, war es ja zu Hanse bei meinen Eltern nicht anders. Zn meinem väterlichen Hause wurden alle diese Sachen mit der minutiösesten Genauigkeit beobachtet, aber meine seligen Eltern waren einsichtsvoll und tolerant genug, um, so bald wir hcrangewachscn, uns in dieser Hinsicht keinen Zwang mehr anfzucrlegen. Aber noch in der ersten Zeit nach meiner Verhetrathung habe ich alles, wie ich es vor mir gesehen, gehalten, obgleich mein Mann stets darüber gelacht. Im vorigen Winter jedoch erzählte mir Frau Or. W-, die Gattin des hiesigen Rabbiners, daß auch sie sich stets nur einerlei Geschirrs bediene, sowohl zu Fleisch und Milchspeisen als auch zu den Ostertagen. Nun da hielt ich cs denn in der That für Uebertriebenhcit, meinem Manne noch länger Stoff zum Lachen zu geben." ״Sie haben Recht, liebe Freundin, sehr sehr Recht, ich stimme ganz mit Jhnen überein. Ach, Sie wissen gar nicht wie glücklich Sie sind, wenn ich mein Loos mit dem Ihrigen vergleiche — wie manche Unglückselige Auftritte hat mir der Aberglaube meines Mannes nicht schon bereiiet —" ״Arme Freundin, wie sehr beklage ich Sie." ״Sic haben in der Thal Recht mich zu bemitleiden, denn was kann eine schwache Frau gegen den Willen eines starken Mannes? fügen muß sie sich am Ende doch. Freilich nur zum Schein, aber auch das ist schon drückend genug für einen selbstständigen Charakter. Indessen eine Art von Triumph gewährt es mir doch, immer zu wissen, daß mein Mann in der Meinung lebt, aller jener abergläubische Firlefanz auf den er mit so großem Gepolter besteht, werde in seinem Hause beobachtet, und es ist das doch durchaus nicht der Fall. Ich will Ihnen nur ein Beispiel unter vielen auführcn, wie ich meinem Manne ein Schnippchen schlage. Gesetzt den Fall, es wird im Haushalte ein Geschirr trefa, wie man das nennt; nun so verbiete ich'ö aufs strengste, daß das je wieder in Gebrauch genommen werde,