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Jeschurun · 1864-08-01 · Heft 11 (August 1864) · p. 367

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 11 (August 1864)
Article
Das jüdische Weib
Date
1864-08-01
Page
367 (sequence 9)
Language
German
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Rebekka. 367 selben zu versuchen; auch nicht weil wir der Meinung wären, es dürfe an dem Charakternnd Lebensbilde unserer großen Ahnen nirgends ein Schatten haften bleiben. Wir sind weit entfernt von dieser Ansicht. Sie werden uns snirgends als engelreine Muster ausgestellt, ja sie würden uns, wenn sie uns engelrein erschienen, viel weniger mustergültig und lehrreich durch ihr Beispiel sein. Entdeckten wir gar keine Schwächen an ihnen, sie würden uns wie Wesen höherer Art erscheinen, die frei von Leidenschaft und Schwäche gar keinen Kampf mit der Sünde zu bestehen gehabt und gar keines Sporns zur Tugend bedurft hätten, und denen wir in unserer Mangclhaftigkcit vergebens nachzustreben vermöchten. Eben indem das heilige Wort uns auch ihre Schwächen nicht verschweigt, rückt es sie uns menschlich nahe, zeigt, daß sie Menschen wie wir, denselben Kämpfen und Versuchungen ausgesetzt waren, und wenn sie dennoch jene heilige Höhe der Sittlichkeit und der Berufstreue erschwangen, die sie der Gottesnähe würdig machte, zeigen sie uns, was wir selber zu crringen vermögen, trotz der uns anhaftenden Unvollkommenheiten und Schwächen. Nirgends drückt auch die Auffassung unserer Weisen eine Auge über etwaige Schwächen der Väter zu, ■ zeigt vielmehr, wie keine Verirrung derselben ohne sich rächende Folgen geblieben, und die Commentatoren des heiligen Wortes, die wie 5. B. Nachmanides in ihrem Geiste gedacht, folgen auch hierin ihren Pfaden. Gleichwohl glauben wir, daß auch das Leben unserer Väter mit dem pragmatischen Sinn geschichtlicher Forschung aufgesaßt zu werden verdient, der die einzelnen Züge ihres Lebens aus dem Gesammtbilde ihres Charakters und Strebens zu begreifen und dabei den leisen Andeutungen der Darstellung zu folgen sich bemüht, die dem aufmerksamen Leser nicht entgehen. Wir haben diese Auffassung der Segnungsgeschichte gegeben, weil diese Geschichte nur so uns Sinn und Verständniß bietet und die Erzählung selbst Schritt vor Schritt sie bestätigt — Und welchen Adel der Gesinnungen bekundet Rebekka und Jakob nach diesem Ereigniß! Wie ist es unter gemeinen Naturen so gewöhnlich, daß mehr noch der Beleidiger als der Beleidigte nach verübtem Unrecht, sich in feindliche Gesinnung und Haß hineingrollt, gleichsam um hintennach sich vor sich selbst zu rechtfertigen, der Andere habe das an ihm Verübte und mehr noch verdient. Hier aber

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