Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Das jüdische Weib
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 364 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Das jüdische Weib. III. Neuzeit herab jüdische Ehen nicht durch den blinden, pfeilsendenben Gott, sondern erst in Folge der Verstandes-Ucberlegung beiderscitiger Eltern und Angehörigen geschlossen werden! Und wie sehr liegt hier das Vernünftige und Heilbringende auf Seiten der jüdischen Sitte. Blind wie ihr Gott schließt in andern Kreisen Neigung die Ehen, Leidenschaft ist der Ehestifter und schließt von vorn herein ruhige Uebcrlegung da aus, wo die ruhigste Erwägung geboten erscheint. Von Leidenschaft geblendete Gcmüther lernen sich gegenseitig mit Nichten kennen, gehen mit ganz unwahren Vorstellungen, mit Erwartungen die Ehe ein, die sich sehr bald von der Wirklichkett getäuscht finden und Erkaltung und Entfremdung erzeugen. Jüdische Ehen werden von der ruhigsten Ueberlegung, von der sorgsältigstcn Erwägung geschlossen, ob die Gcmüther, die Charaktere, die Persönlichkeiten und alle sonstigen Verhältnisse die über Lebensglück entscheiden, zu einander Passen, Ueberlegungen und Erwägungen, deren nicht der Jüngling und die Jungfrau, wohl aber die beiderfettigen Eltern, Angehörigen und Freunde fähig sind, und erst wenn dte Vernunft Ja gesprochen, wird auch die Neigung gefragt. Darum stehen auch die Proccnte glücklicher Eben der jüdischen Ehestatistik im Verbältniß zu andern Kreisen so glänzend. Daher ist auch für jüdische Ehe die Hochzeit nicht dte Höhe-Zeit, sondern die vielversprechende Saatzeit der Liebe, die mit jedem Ebetage sich mehr entfaltet, durch das ganze Leben mit allem Sonnenschein und allen Stürmen nur um so fester wurzelt, nur um so herrlicher aufblüht, je mehr die Herzen in einander wachsen, und je mehr die Seelen im Ernste des Lebens gewahren was sie einander sind und welch einen Schatz der Mann an seinem Weibe, welchen Schatz das Weib an seinem Manne hat. Ein Isaak, der sich seine Rebekka wählt, geht häufig irre. Ein Isaak, der sich von seinem Abraham die Rebekka zuführen läßt, wird selten getäuscht. In welchem Gegensatz erscheint endlich hier das aramäische Haus zum Abrahamszelte! Isaak, der in der ernstesten Angelegenheit seines Lebens den Vater für sich handeln läßt, und Laban, der in achter Gemüthsroheit den alten Vater Bethuel in wichtigster Familienangelegenheit völlig bei Seite drängt, vorlaut das Regiment im Hause führt, und den ״Alten" wie abgenutztes Hausgeräth in den Winkel weist. Selbst in der abzugebenden Einwilligung spricht er