Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1864)
- Article
- Was ist zur Hebung der jüdischen Schule, namentlich auf dem Lande zu thun?
- Date
- 1864-07-01
- Page
- 347 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932933-2932944-2948836--09042-2948873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
’ Was ist zur Hebung der M. Schule namentlich auf dem Land» zu ihn»! 347 fremden Anschauungen, der keinem von ihnen erspart wird. Ob die Schule diese ihre Aufgabe erkennt, oder verkennt, oder ihr nicht gewachsen ist — davon hangt somit zum großen Theile die ganze Gestaltung des jüdischen Lebens in unserer Gemeinde ab. Schauen wir uns nun in den Gemeinden nach dem Zustande der jüdischen Schulen um, so müssen wir mit tiefem Schmerze das Bekenntniß ablegen, daß es da sehr trübe anssieht, daß die Schule — wir sagen nicht zu viel — nicht in den meisten, Gemeinden ihrer hohen Aufgabe Genüge leistet, und sie zum großen Theile die Schuld witträgt für die Entfernung der Jugend vom Judenthume. Es ist nichts Geringes waS wir hiermit aussprechen, — eS existirt aber vielleicht keine Gegend aus deutscher Erde, wo man nicht Belege für diese betrübende Thatsache regtstriren könnte. An den meisten größeren Orten existiren Religionsschulen, oder eS wird an den städtischen und Staatsschulen von einem Lehrer ״jübische Religion" wöchentlich einige Stunden ertheilt; — und daS ist Alles, was für die Ausbildung der Jugend in der höchsten und heiligsten Kenntniß für die höchsten und heiligsten Aufgaben des Lebens geschieht!! — Daß dieses nur ein sehr sehr Geringes ist, daß dieses nicht im allerentferntesten das bewirken kann, was durch eine jüdische Schule erreicht werden muß, das wollen wir hier nicht deS Näheren ausführen, — das ist schon zu wiederholten Malen in dieser Zeitschrift dargelegt worden. Aber auch das Geringe, was durch diese Nothbchelfe erlangt werden könnte, wird häufig nicht einmal angestrebt. Der Unterricht ist öfters den ungeeignetesten Händen anvcrtraut und ganze Generationen gehen darüber dem Judenjhume verloren. Wir wollen hierbei nicht verweilen, sondern an dieser Stelle mehr das Verhältniß der Landschule iu's Auge fassen. Ist es ja in den meisten größeren reicheren Gemeinden bei wirklich gutem Willen der Gemeindeglieder und entsprechender Energie und Umficht trotz Allem möglich eine gute jüdische Realschule, — die hier allein der Aufgabe gewachsen sein kann, — zu errichten und zu erhalten. Würden die großen wohlhabenden Gemeinden solche Anstalten besitzen und die Stellen an denselben gehörig dotiren, so wendeten sich nach und nach eine größere Anzahl junger Männer dem jüdischen Lehrsache zu und wir hätten auch geeignete Lehrkräfte für unsere Realschulen.