Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1864)
- Article
- Was ist zur Hebung der jüdischen Schule, namentlich auf dem Lande zu thun?
- Date
- 1864-07-01
- Page
- 348 (sequence 4)
- Language
- German
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34.8 Was ist zur Hgebun der jüb. Schule namentlich auf dem Lande zu thun? Anders aber ist es auf dem Lande. Hier ist durchweg der Wunsch nach einer jüdischen Schule sehr lebendig. Die Ortsschnle genügt häufig in den allgemeinen Kenntnissen nicht den Anforderungen der jüdischen Eltern, und die Gemeinde empfindet außerdem das Bedürfniß einen Angestellten zu besitzen, der mit dem jüdischen Schriftthum einigermaßen vertrant ist. Sie will gerne Opfer bringen; es mangelt aber in allen Gegenden Deutschlands an geeigneten Lehrern und viele Gemeinden haben gar keine». Bildungsanstalten für jüdischc Elementarlehrer gibt es sehr wenige und unter diesen wenigen nur einzelne, deren Leistungen anzuerkennen sind. Zn den meisten Fällen haben die jüdischen Lehrer christliche Seminaxten oder gar keine sie für den pädagogischen Beruf ausbildende Anstalten besucht. Wir wollen hier nicht auf Details eingchen, wollen auch nicht die mühselige und undankbare Stellung eines Landschullehrers außer Acht lassen und nicht verhehlen, daß es manchen wackeren seinen Beruf mit Liebe erfassenden tüchtigen Lehrer auf dem Lande gibt — im großen Ganzen aber wird man zugestehen müssen, daß die jüdischen Landschullehrer ihrer wichtigen, überaus schwierigen Aufgabe nicht gewachsen sind. Es kommt zu diesem Allen noch der häufige Wechsel, dem die Gemeinden in Betreff ihres Lehrers unterworfen sind. Ist einer Gemeinde ein Mal das Glück zu Theil geworden einen tüchtigen Lehrer zu erlangen, so kann sie nur selten lange sich dessen Besitzer erfreuen. Sie wird nach ein bis zwei Zähren, ja öfters sogar schon nach wenigen Monaten ihn wieder scheiden sehen und die von ihm gelegten guten Keime müssen verkümmern. Häufig kann die Gemeinde erst nach längerer Zeit die Stelle wieder besetzen und unter dem öfter« Wechsel der Person des Lehrers kann der Unterricht nicht gedeihen. Es kommen Fälle vor, wo Gemeinden in einem Zeitraum von drei Jahren drei Mal die Lehrcrstelle neu besetzen mußten und die Schule zwei Mal für mehrere Monate ganz geschlossen werden mußte. Wir haben hier nur flüchtig die Uebclstände der jüdischen Landschule angedeutet und find weit entfernt uns eine genügende Beant- Wortung der tn unserer Ueberschrift enthaltenen Frage zuzutranen. Verbesserung der bestehenden und Gründung neuer Lehrerbildungsanstaltcn scheinen uns unabweisbares Betürfniß zu sein.