Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1864)
- Article
- Was ist zur Hebung der jüdischen Schule, namentlich auf dem Lande zu thun?
- Date
- 1864-07-01
- Page
- 346 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932933-2932944-2948836--09041-2948872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
346 Was ist zur Hebung der jüd. Schule, namentlich auf dem Lande zu thun i gungen nicht fördern können. Für die Bedürfnisse des Bürgers sorgt in genügendem Maße der Staat und die politische Gemeinde, welche jetzt nicht mehr den Steuerkreuzer allein, sondern auch die Einsicht und Erfahrung des jüdischen Staats- und Gemeindebürgers in Anspruch nehmen; — den iildividuellen Neigungen und Bestrebungen, bieten sich in so vielen wissenschaftlichen, politischen und philantropischen Bereinigungen ein weites Feld dar, und selbst für diejenigen welche, ohne in einer bestimmten Religion die Befriedigung ihres ji ״religiösen Gefühls" zu finden, dennoch diesem Gefühle Rechnung s tragen wollen, wären die ״freien Gemeinden" vorhanden. Gälte es; also nicht den specifisch jüdischen Ideen und Institutionen, so wäre! die Eristenz einer jüdischen Gemeinde .jetzt überflüssig. Würden aber! diese Ideen in dem Herzen des Juden erstorben sein, wäre das Be- \ dürfniß dieser Institutionen nicht mehr vorhanden, kurz: gäbe cS keine Juden mehr, die das jüdische Gesetz als Gesetz anerkennen '! und ihr Leben nach seinen Satzungen regeln wollten, so wäre di« s Existenz einer jüdischen Gemeinde auch eine völlige Unmöglichkeit. Wer wollte sie bilden, woher sollten die Mittel zu ihrem Bestände -s kommen? Eine jüdische Gemeinde setzt daher ein jüdisches Leben bei | den Gemeindegliedern voraus. Für dieses aber, für das jüdische Ne- I ben hat die Schule heute mehr als je die höchste Bedeutung. Lokjj kender und mächtiger sind die Reize, die das Leben, in dessen taus sendfachen Kreisen sich unsere Jugend zu bewegen hat, dem Streben jj und Genüsse bietet und dafür den Abfall vom väterlichen Gesetze j fordert, taut werden von unjüdischem und nichtjüdischem Munde Lehren und Priucipien verkündet, die zum Judenthume im Gegensätze i stehen, und schwieriger ist es dem milde» aufgeklärten Geiste unserer Zeit, als der rohen, finstern Gesinnung vergangener Jahrhunderte j Stand zu halten. Es bedarf einer größeren Charakterfestigkeit, einer 1 innigeren Ueberzeugung, eines klareren Verständnisses des Juden-! thums in seinen Beziehungen zum Juden, wie in seiner Bedeutung j für die Menschheit, um der alten, ruhmbekränzten Standarte unferes großen, heiligen Gesetzes in unfern Kindern die treuen, muthtgen Fahnenwächter zu erhalten. Der Schule aber fällt die große Ausgabe zu, unserer Jugend die Kenntniß des Gottesgesetzes zu bringen, die Herzen unserer Kleinen dem Judenthume zu gewinnen, ihren Geist dafür zu erleuchten und sie zu rüsten für den Kampf mit