Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1864)
- Article
- R. David Nieto's Begründung der Tradition
- Date
- 1864-07-01
- Page
- 336 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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336 ־ ' R. David Nieto's Begründung der Tradition. die Karäer den größten Thetl des mündlich tradirten Gottesgesetzes leugnen, und der Verfasser des eben erwähnten Werkes sucht ihre jj Ansichten durch folgenden Syllogismus zu widerlegen : ״Es ist nicht ״möglich, daS schriftliche Gesetz ohne das mündliche zu verstehen; ״unsere Weisen erklärten das schriftliche Gesetz: folglich ist ihre z ״Erklärung das wahre mündliche Gesetz/! Dieser Syllogismus läßt sich allerdings leicht widerlegen, da der Schlußsatz sich nicht aus de» Prämissen ergibt; denn obgleich derjenige, der die Göttlichkeit der durch unsere Weisen auf uns überkommenen mündlichen Lehre in Abrede stellt, sich mit der ersten der beiden Prämissen theilwetse einverstanden erklärt, und zugibt, daß bet einem Theile des schriftlichen Gesetzes das Verständniß ohne die mündliche Lehre nicht möglich ist; obgleich ferner der Tradttionsleugner die zweite Prämisse ganz zugibt und etnränmt, daß unsere Weisen das schriftliche Gesetz erklärten: so wird er dennoch den Schlußsatz nicht anerkennen und denselben entschieden zurückweisen, indem er geltend macht, daß außer einigen Gesetzesbestimmungen,! mit denen er einverstanden ist, — wie z. B. hinsichtlich des Objekj tcs der Besä neidung, hinsichtlich der Frage, ob in der Thora Sonneu- oder Mondmonate gemeint seien u. dgl. — alles Uebrige nur!! das Geistesprodukt unserer Lehrer sei, und daß unsere Weisen und!! Vorfahren uns getäuscht hätten —. Darum liegt es uns ob, die j erste jener zwei Prämissen durch schlagende Gründe ihrem ganzen! Umfange nach zu .beweisen und so die Wahrheit des Schlußsatzes zu deduzire». Hiedurch wird sich die Wahrheit der von unseren Weisen rezipirten Gesetzeserklärung von selbst ergeben, und werden alle zu der Einsicht gelangen, daß das, was unsere Weisen als Erklärung des Gesetzes uns bezeichnetcn und lehrten, dasselbe ist, was Gott seinem Diener Mosche am Sinai geoffenbart. Und weil bis jetzt keiner unserer späteren Gelehrten diesen Gegenstand ausführlich und spcctcll behandelte, darum erfrechten sich die Traditionsleugner, erst zu den Einrichtungen der spateren Karäer zu gehören, da, wie wir in dem gegenwärtig uns nicht vorliegenden אשכל הכפר des Juda ha-Abel gelesen zu haben glauben, daß schon der erste Lehrer des Karäismus, Anan f b. David, eine auf Sabbath fallende Beschneidung nur kurz vor dem Aus-;|v gange des Sabbath gestattete.