Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1864)
- Article
- Das Dogma im Judenthum
- Date
- 1864-06-01
- Page
- 300 (sequence 6)
- Language
- German
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300 Das Dogma im Judenthum. 'וראיתם אוחו וזכרתם וגו. Somit ist der נעפר בע״ז negativ das, was der מורה בכל התורה כולה positiv ist; er ist nicht Heide; aber—auch nicht Jude. Und das jüdische Dogma überhaupt.... Fragen wir zuvörderst gibt es ein jüdisches Dogma? Die heil. Schrift kennt kein solches. Dogma heißt ja ein Religionslchrsatz, welcher der Inbegriff und die Grundlage aller religiösen Obliegenheiten bildet. Würde mm der israelitische Glaube allein selig machen, so könnte auch das Judenthum ein Dogma, einen Glaubenslehrsatz haben, welchem die ganze Glaubenslehre, d. h. die ganze Religion entstammt. Es müßte auch seine einzelnen Glaubensartikel haben; weil es notbwendig wäre, auch die Verzweigung des Dogmastammes zu kennen. Dieses widerspräche aber aus zwei Gründen dem Wesen der göttlichen Offenbarungslehre; denn l., involvirt das Wort Glaube ein blindes subjektives Fürwahrhalten, indeß das Lehrgebäude der Thora ans dem Granit der Geschichte ruht und daher objektive Ueberzeugung zur Grundlage hat; 2. wäre alsdann der größte Bestandtheile der Thora, der Gcsetzestheil, mit wenigen Ausnahmen, im Dogma gar nicht enthalten, somit bodenlos. So unerläßlich übrigens auch der Glaube ist, so nothwendig er auch mit der Ausübung einer jeden Religionspflicht Hand in Hand gehen muß: befohlen ward er nicht; Dogma ist er nicht; Glaubensartikel haben wir nicht. Den Glauben an einen absolut einzigen Gott setzt vielmehr die Thora säst in jedem Verse a priori voraus, wie ohne den mathematischen Punkt eine mathematische Figur nicht denkbar ist. Das angebliche Dogma tritt daher nie in abstracto als Alles umfassender Lehrbegriff auf, sonder» blos in concreto, entweder in diatmeralem Gegensatz zum Götzendienste, oder als Prämisse und Verpflichtungszrnnd zu den in seinem Gefolge sich befindlichen Religionshandlungen. In diesem Sinne steht das 'שמע ישראל וגו in enger Verbindüng mit 'ואהכת וגו, mit מצווח ק״ש תפלין ומזוזה; und gottesdienstlich reichen wir ihm ja zur Vervollständigung dieses Gedankens 'והי 's אם שמוע als קבלת עול מצווח und פ׳ ציציה als זכירת כל מצמח ח׳ an. Darum heißt es nicht 'האמן ישראל וגו, wie ein Dogma, oder auch nur ein gewöhnlicher Glaubensartikel ansgcdrückt zu werden pflegt. Darum eröffnete Gott seine Gesetzgebung auf Sinai nicht mit etwa den Worten: האמן שאנכי ה' אלקיך ה' אהר; er wollte nur seine Iden-