Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1864)
- Article
- Das Dogma im Judenthum
- Date
- 1864-06-01
- Page
- 297 (sequence 3)
- Language
- German
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Von Bezirksrabbiner I. Lörvcnstein. 297 Versammlung in kräftig-zarter Melodie das ״dies ist die Thora unter Orgelbegleitung zum Throne des Höchsten sendete. Alles An- LM dere ist ja der Controverse anheimgestellt! Doch! Hinweg mit dem Scherz! Die Sache wäre freilich lächerltch genug, hätte sie nicht eine so ernste, so heilige zum Gegenstände; sie ist viel zu traurig, als daß sie ironisch behandelt werden könnte; traurig schon deßwegen, weil seinsollende Wächter des Judenthums die Urheber dieser unsinnigen Auffassung sind; noch trauriger, weil ein Wortführer der Reform diesen Fund nicht genug zu beloben weiß; am allertraurigsten aber, weil derselbe die Ansicht von dem einzigen Dogma auch im Talmud ausgesprochen zu sein vermeint. Da haben wir wieder ein Pröbchen des, Eingang erwähnten Liebäugelns mit dem Talmud, durch welches die ihm oft genug versetzten Fußstöße mit einem fadenscheinigen Mantel der Achtung umhüllt werden sollen. Wie? der Talmud, dieses voluminöse Werk, welches in seinem wesentlichsten Thetle gerade mit der Erklärung derjenigen Religionspflichtcn sich befaßt, die unfern Reformern nur als Balaft gelten, dieser sollte Apologet der heutigen Neformplane sein und alles Andere, außer der Lehre vom Monothetsmus, der Controverse anheim stellen, somit sich selbst verleugnend Welcher Unsinn! Welche Begriffsverwirrung! Man müßte aber wahrsich die Augen zudrücken, oder de» Kops in den Sand stecken, wenn man verkennen wollte, daß die Lehrbegriffe auf beiden Seiten so weit auseinander gehe«, daß den Einen die ״Lehre Mosis" ein Gottesbuch, den Andern ein Werk ist, dessen Inhalt an dem Prüfstein einer hinkenden Kritik sich erst zu bewähren hat; ein Werk, das nur die Grundlage bildet zu einer schneckengängigen, an ihrem Gehäuse klebenden Menschheitskultur. Auch die Lehre vom Monotheismus hätte hiernach dem Eutwickelungsgange der Zeiten überlassen bleiben können und überflüssig wäre auch dieses Dogma. — Und die aus dieser Verschiedenheit der Begriffe geflossene Wirklichkeit, zeigt sie nicht eine Spaltung, ein Schisma, so sehr auch die Reformer in Znkkungen zu fallen scheinen, wenn sie diese Wörter als Popanz den Orthodoxen vorführen? — In dem einen Lager wird das Leben vom Geiste der Thorah durch und durch getränkt; im jenseitigen aber werden Lehre und Leben, als zwei feindliche Elemente auS ein- 18« 4.