Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1864)
- Article
- Das Dogma im Judenthum
- Date
- 1864-06-01
- Page
- 296 (sequence 2)
- Language
- German
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296 Das Dogma im Zudenthum. durch Fußstöße, den Vorstehern applicirt, die gnädige Erlanbniß ertheilt wurde, auf ein weiteres Jahr wieder in der Päpstlichen Restdenz wohnen zu dürfen. Man beschuldige aber jene Römer ja nicht der Inkonsequenz. Wohnrecht und Fußftöße ergänzten sich gegenseitig. Ersteres ertheilte mau den Juden gerne — aus Princip der Nützlichkeit und der Klugheit; um jedoch auch jenes der Herabwürdignng und Verachtung im Volke wach zu halten, ohne welches das Wohnrecht das erwünschte Ziel nicht erreicht hätte, dazu mußten die Fußstvße dienen. Bei unfern Reformern sind aber die Fußstöße, die sie dem talmudischen Judcnthum im Großen und Ganzen zur Unter- Haltung ihres Publikums theoretisch und praktisch versetzen, Hauptprincip, indeß ihr scheinbares Liebäugeln mit dem Talmud nur aus Nützlichkeits- und Klugheitsprincip erfolgt und nur da eintritt, wo sie ihn — wenn auch mit den Haaren ״ als Gewährsmann herbeizuziehen vermeinen. Der vielbesprochene Kompert'sche Preßprozeß, der hinsichtlich seiner Zeugenaussagen auch in diesen gründlichen Blättern die ihm gebührende Berücksichtigung gefunden, dürfte auch noch hinsichtlich etner bet dieser Verhandlung vom Verthetdiger ausgestellten These in Betracht gezogen werden. Derselbe hat auf Grund der Zeugenaus sage geltend zu machen gesucht, das Judenthum habe keine Lehr- und Glaubenssätze; es habe nur ein Dogma: den Glauben an Einen Gott; alles Andere sei der Controverse anheimgestellt. Wie glücklich ist doch der Jsraclite nach dieser Anschauung, so wohlfeilen Kauf's seine jenseitige Seligkeit sich erwerben zu können! Wie leicht muß es ihm um's Herz sein, wenn er mit andern Religionsbckenncrn das Bewußtsein hat, schon ״der Glaube macht selig" 'שמע ישראל וגו! Wessen bedarf hiernach der Jude mehr für sein Seelenheil, als: Eines Gottes, Eines Bibelverses, folglich auch Einer Judenheit?! Und welches Ersparniß müßte ihm hieraus erwachsen! Anstatt mit bedeutendem Kostenaufwande eine ganze Thora sich unfertigen zu lassen und mit Manneskraft dieselbe aufgerollt der andächtigen Versammlung vorzuzeigen, wobei gesprochen wird: ״Dies ist die Thora, welche Mosche vorgelegt den Kindern Israels re.", wie viel wohlfeiler . und leichter wäre es, blos den einzigen Vers 'שמע ישראל וגו niederschreiben, etwa auch prachtvoll verzieren, an besonder» Tagen ihn vorzetgen zu lassen, wobei die ganze gemischte