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Jeschurun · 1864-05-01 · Heft 8 (Mai 1864) · p. 289

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 8 (Mai 1864)
Article
Marocco : Marokko [Nachricht]
Date
1864-05-01
Page
289 (sequence 6)
Language
German
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289 Künstler unter ihnen wider seinen Willen zur Arbeit gezwungen werden» Die Arbeit eines Jeden soll ihm gebührend bezahlt werden; denn Ungerechtigkeit hier auf Erden ist Ungerechtigkeit tm Himmel, und unserer Würde widerstrebt es, irgend Jemandem, sei es ein. Jude oder ein Gläubiger, Unrecht zu thun. Alle Menschen in unserem Reiche haben gleichen Anspruch aus Gerechtigkeit. Wenn irgend Jemand einem Juden Unrecht thut, so werden wir ihn mit Hilfe Gottes bestrafen. Die in diesem Firman gegebenen Befehle sind bereits früher ertheilt worden, aber wir wiederholen und veröffentlichen sie, damit desto größere Furcht vor ihrer Uebertretung bestehe. Dies Dekret ist mit dem Segen Gottes veröffentlicht am 26. Shaban des Jahres 1280 (5. Febr. 1804) Friede!" Nach Empfang des Ediktes rüstete sich Sir M. zur Abreise. Neber seine. Abschiedsaudienz und Weiterreise nach Mazagan und von da nach Gibraltar erzählt er: Samstag, den 6. Febr., erhielten wir die Mitteilung, daß uns Seine Majestät Sonntag Morgen empfangen wolle. Schon um 7 Uhr früh erschien der Vice-Hofmarschaü, um uns abzuholen; wir wurden in ebenso ehrenvoller Weise wie das erste Mal zum kaiserlichen Palaste geführt; ebenso waren Truppenmasscn aufgestellt. Diesmal aber empfing uns der Sultan in einem Kiosk seines Schloßgartens. Er saß auf einem mit grünem Tuch ausgeschlagenen Sopha von Mahagoni). Der Sultan hieß uns freundlichst willkommen, er drückte die Hoffnung aus, daß wir während unseres Aufenthaltes in seiner Hauptstadt bequem gelebt hätten und erneuerte seine Versicherung, daß es seine Absicht sei, seine jüdischen Uuterthanen zu schützen. Dann befahl er dem königlichen Gartendirektor, uns die königlichen Gärten zu zeigen. Diese haben eine weite Ausdehnung, enthalten die herrlichsten Anpflanzungen von Weinstöcken, Orangen-, Oliven- und anderen Bäumen. Zwei große Seen mit Luftschiffen, die durch eine mechanischen Vorkehrung in Bewegung gesetzt werden, befinden sich üt der 9Mitte des Gartens. Man kann sich von der Größe desselben schon dadurch eine Vorstellung machen, daß wir mehrere Stunden brauchten, um nur durch dte vorzüglichsten Aulagen zu wandern. Gleich nachher besuchten wir das Judenviertel; das Gedränge war außerordentlich, unser Empfang ein begeisterter. Die engen Gassen, die wir nur mit der größten Schwierigkeit passiven konnten, waren überfüllt von uu.se en zahlreichen Freunden. An jedem Fenster, auf jeder Mauer, überall, wohin nur das Auge schaute, erblickten wir die Gruppen unserer Brüder und Schwestern, alle von dem einen Wunsche beseelt, uns Willkommen zu bieten. Wir kamen zuerst zu einer der vielen Synagogen, der ältesten und größten, allein — ich bedauere, cs sagen zu müssen—׳von einer elenden Bauart. Hier waren die Oberrabbiner und Andere versamwelt uns zu begrüßen.

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