Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1864-05-01 · Heft 8 (Mai 1864) · p. 290

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 8 (Mai 1864)
Article
Marocco : Marokko [Nachricht]
Date
1864-05-01
Page
290 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932933-2932942--08959-2948764
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

290 Montag, den 8., bald nach 12 Uhr, verließen wir Marocco; wiederum begleitete uns eine Ehrenwache von Reitern und Fußsoldaten, diesmal bis Mazagan. Der Sultan hatte mich mit einem prächtigen tragbaren Pavillon beschenkt; unsere Pferde, Maulihiere, Lebensmittel und alle übrigen Rctscbedürfniffe wurden uns auf seine Kosten geliefert. Herr Crocvs, Herr Nahen und einige andere angesehene Juden der Stadt Marocco begleiteten uns auf unserer ersten Tagereise und übernachteten mit uns. Jeden Abend übernachteten wir am Ufer eines Flusses oder Baches. Ueberall erschienen die Gouverneure und Häupter der Districte und bewiükonnnten uns auf's Herzlichste. Nach der zweiten Tagereise verloren wir die Schncehäupter des Atlas-Gebirges aus den Augen. Es gibt in Marocco keine Landstraßen; wir hatten deßhalb viele Unannehmlichkeiten zu ertragen. Unser Weg ging über scheinbar endlose Ebenen, von denen manche recht öde, andere sehr fruchtbar sind. Donnerstag, den 11., kam uns der Sohn des Gouverneurs des Districts mit einer Abtheilnng Retter entgegen und lud uns auf's Dringendste ein, bei seinem Vater zu übernachten. Die Einladung geschah mit solcher Herzlichkeit, daß wir sie unmöglich ablehnen konnten, mußten aber deßhalb unsere Reise für diesen Tag noch recht lange ansdehncn und kamen erst mit einbrechender Nacht am Ziele an; wir hatten an diesem Tage 27 (englische) Meilen zurückgelegt. Der Gouverneur bewirthete uns außer dem üblichen ״Mona" noch mit einer Mahlzeit von ״oons-omis" und anderen ״Delikatessen", welche Herr Reade für sehr wohlschmeckend erklärte. Wir waren alle sehr erschöpft von den Anstrengungen des Tagcs, an welchem wir auch noch eine Deputation, bestehend aus mehr als 100 unserer Glanbenögenossen von Sasft, empfingen. Indem wir der Einladung eines andern Gouverneurs Folge leisteten, feierten wir in dessen Palast den Sabbath, noch eine Tagereise von Mazagan entfernt. Don dem Wohnorte dieses Gouverneurs, einem großen Dorfe, das fast nur aus Zelten und Hütten besteht, kam nnS eine Deputation der jüdischen Einwohner entgegen. Die Frauen trugen Fahneu, die aus seidenen Taschentüchern, Moussclinschürzen und anderen derartigen Dingen zusammengcnäht waren. Man berichtete mir, daß der Gouverneur sehr freundlich gegen die Inden gesinnt sei. Erbot mir und meinen Freunden sein eigenes Haus zur Wohnung an. Der Gouverneur beschenkte mich mit -einem Pferde; ein gleiches Geschenk mußte ich auch von einem Glaubensgenossen von Safst annehmcn. Hier hatte ich auch daS Vergnügen, einen der befreiten Gefangenen von Safst zu sehen; ich überzeugte mich, daß auch nicht der geringste Grund zu seiner Verhaftung vorhanden gewesen war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.