Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1864)
- Article
- Zum Kompert'schen Preßprocesse
- Date
- 1864-05-01
- Page
- 264 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Der KömperL'sche PreßproZeßergingen, und wir finden auch bei anderen Propheten, daß Gott an die Erfüllung früherer Verheißungen erinnern ließ. Durch den Hinweis auf jene Stellen wird daher nicht das "geringste für die Unächtheit jener 27 Kapitel bewiesen. Zur Würdigung der sprachlichen Gründe, welche für den enlischen Ursprung des erwähnten Thelles Jesaija's geltend gewacht werden, indem man sich aus die darin vorkommende chaldaistrende Sprachspuren bezieht, erwähnen wir, daß auch in den ersten 39 Kapiteln, und zwar in solchen Stellen, die auch von der Bibelkrttik als jesaijanisch betrachtet werden, Chaldaismen Vorkommen; wir erinnern an die Kap. 21, 12. 14 sich befindenden chaldäischen WSrter und Formen התיו תבעיון אחא. Höchst charakteristisch ist aber die. Art und Weise, in welcher Gesenius einen von den Gegnern seiner Hypothese erhobenen Ein- Wurf zu beantworten sucht, der sich daraus stützt, daß die Sprache der von der Kritik als unächt erklärten Stücke mit den anerkannt ächten Stücken Manches gemein hat, und sich im Buche Jesaija manche durchgehende Idiotismen finden. In Bezug auf diesen Einwand sagt Gesenius: ״Um diese Erscheinung zu erklären, ließe sich ״an eine Nachahmung des altjesaijanischen Styles durch den spätern ״Dichter denken; wahrscheinlicher aber rührt dies von einer konfor- ״mireuden Hand her, die bei Gestaltung des Ganzen Lhätig war, ״und auch auf heterogene Stücke gewisse Idiotismen auftrug." Um also nur die Hypothese zu retten, muß von irgend einer Seite der schriftstellerische Betrug angenommen werden, muß entweder der vermeiutliche anonyme Verfasser des Pseudojesaija zur Durchführung seiner Täuschung den wirklichen Jesaija nachgeahmt, oder muß ein späterer Betrüger, um den Pseudojesaija für Jesaija halten gu lassen, erficvcn gefälscht haben! Würde mau wohl zu derartigen willkürlichen Annahmen seine Zuflucht nehmen, wenn nicht der Grundsatz, daß es keine wirkliche Prophetie gebe, das Dogma wäre, das man um jeden Preis anfrechtzuhalten sucht? Wir haben die obigen von einem Koryphäen der hebräischen Sprachforschung und Bibelkritik ausgestellten Gründe darum anaeführt, um zu zeigen, daß selbst Gesenius von seinem Standpunkte nicht ohne willkürliche Annahmen die Hypothese von einem Pseudojesaija zu vertheibigen im Stande war. Einer Erörterung der Grund-