Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1864-05-01 · Heft 8 (Mai 1864) · p. 258

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 8 (Mai 1864)
Article
Zum Kompert'schen Preßprocesse
Date
1864-05-01
Page
258 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2932933-2932942-2948715--08925-2948732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

258 Zum Komxert'schen Preßprozeß. und der erzählt, wie man dem Jesaijas, um ihm ״die gehörige Stärke zu geben", aus Geschichtbüchern und vorräthigeu Orakeln noch Manches beifügte — kann jener vermeintliche Beweis aus dem Talmud allerdings nicht befremden. Daß aber Nachmann Krochmal sich entschließen konnte, ״zur Vertheidigung" seiner, mit dem — wie er selbst bemerkt — von jeher in ganz Israel verbreiteten und schon aus den Schriften des Josephus und des noch älteren Ben Sira ersichtlichen Glauben an die Authentizität des B. Jesaija in offenem Widerspruche stehenden Leugnung dieser Authentizität sich auf jene Talmudstelle zu berufen, ist kaum begreiflich. Ein unbefangener Blick auf hie von ihm citirte Boraito hätte ihm doch die völlige Nichtigkeit dieses Beweises zeigen müssen, da schon in jener Talmndstelle die Frage, warum Jesaija nach Jeremtja und Jecheskel erwähnt ist, dahin beantwortet wird, daß jene Reihenordnung nicht in der Autorschaft der prophetischen Bücher sondern in der Aehulichkcit des Inhaltes begründet ist, welch« zwischen dem Schluffe des zweiten Buches der Könige und dem Buche Jeremija, und dem Schlüsse des Buches Jecheskel und dem Hauptinhalte der jesaijanischen Weiffagungen besteht, wonach die Annahme, daß das Buch Jesaija darum nach Jecheskel erwähnt sei, um dasselbe unmittelbar vor dem Buche der XII Propheten anzuführen, als eine grundlose, auf Willkür beruhende Erdichtung betrachtet werden muß. Ebenso nichtig ist das zweite Argument, daß Krochmal ans dem Schriftthume unserer Weisen für die Annahme eines Pscudojesaijn geltend zu machen suchte, indem er sagt: ״Es existirt (für den eri- ״lischen Ursprung jener 27 Kapital) noch ein Beweis, und zwar ״jene bekannte im Midrasch aufbewahrte Ueberlieferung, daß auch ״dem ersten Thetle des Buches (Jesaija) einige Verse beigefügt sind, ״welche von einem anderen Propheten stammen." Krochmal führt weder die Verse noch die Midraschstelle an, auf die er sich stützen will; wir glauben aber mit Sicherheit annehmen zu können, daß er den in Midrasch Wajikra rabba c. 15 sich besindenden Ausspruch des R. Simon im-Auge hatte, welcher lehrte, daß die Verse 19 und 20 des 8. Kapitels Jesaijas von dem Propheten Beeri, dem Vater des Propheten Hoschea stammen. Wir unterlassen es, irgend eine Vermuthung darüber auszusprechen, wcßhalb Krochmal die Midraschstelle, in der er den zweiten Beweis für seine Annahme gefun-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.