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Jeschurun · 1864-05-01 · Heft 8 (Mai 1864) · p. 257

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 8 (Mai 1864)
Article
Zum Kompert'schen Preßprocesse
Date
1864-05-01
Page
257 (sequence 5)
Language
German
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Von Rabbiner Dr. I. Gugenheimer. 257 die Möglichkeit einer göttlichen Offenbarung nicht geradezu in Abrede stellen wollen, wird jene Annahme eines cMschen Jesaja zur Inkonsequenz, da, wenn die Prophetie nicht gänzlich geleugnet wird, jene Scheidung zwischen dem Vorherwiffen allgemeiner und specieller Verhältnisse jedes haltbaren Grundes entbehrt. Ebensowenig kann der andere von Krochmal angeführte Grund, daß Weissagungen, die sich auf Einzelbegebenheiten fernliegender Zeiten beziehen, von den Zeitgenossen des sie verkündenden Propheten nicht verstanden würden, als stichhaltig betrachtet werden. Obgleich die Hauptaufgabe der Propheten darin bestand, ihre Zeitgenassen zu ermahnen, zu belehren, zu trösten, also direkt auf dieselben einzuwirken: so läßt sich dennoch nicht leugnen, daß zuweilen die Aufgabe des Propheten nur darin bestand, Organ für Dcrkündnng der Zukunft zu sein, sogar wenn diese Verkündung von dem Propheten selbst nicht vollkommen verstanden wurde, wie cs z. B. aus Danijcl 12, 8, 9 ersichtlich ist, wo cs heißt: ״lind ich hörte wohl, aber ich verstand nicht, und sprach: Mein Herr, was ist das ״Ende von diesem? Und er sprach: Gehe, Danijel, denn verborgen ״und versiegelt sind die Worte bis auf die Zeit des Endes." Der Umstand, daß bei den Zeitgenossen eines Propheten das Verständniß einer Verheißung nicht vorauszusetzen ist, kann daher kein Grund sein, um dessentwillen die Authentizität derselben in Abrede gestellt werden dürfte. Völlig unbegreiflich ist cs aber, wenn man die Lehre vom Psendojesaijas unseren im Talmud erwähnten Weisen vindiciren, und in dem Umstande, daß in der Baba bathra 14 b. befindlichen Aufzählung der prophetischen Bücher Jesatjas nach Jeremija und Jecheskel erwähnt wird, einen Beweis für die Annahme zu finden glaubt, daß das Buch Jesaija als eine Anthologie der Weissagungen mehrerer dcni Namen nach unbekannter Propheten zu betrachten sei, die z» verschiedenen Zeiten lebten, und deren anonyme Prophetieen darum unmittelbar vor dem Buche der XII Propheten erwähnt sei, weil auch in diesem Buche Weissagungen der im spätesten prophetischen Zeitalter lebenden Propheten Vorkommen. Von dem herzoglich Wc imarischen Hofrathe Johann Gottfried Eichhorn, nachdem (Einl. ins A. T. Th. III ) daS Streben nach Symmetrie im Volnmcn der die prophetischen Weissagungen enthaltenden Schriften einen entscheidenden Einfluß auf Feststellung des heiligen Kanon übte,

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