Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1864)
- Article
- Zum Kompert'schen Preßprocesse
- Date
- 1864-05-01
- Page
- 256 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Zum Kompert'schen Preßprozeß. für nothwendig hielt, obgleich dieselben durch die Vernunft nicht, zu beweisen sind: so kann auch für uns kein Grund vorhanden sein, das auf einzelne Verhältnisse sich beziehende Vorherwissen der Propheten in Abrede zu stellen. Durch die Vernunft läßt sich dasselbe ebensowenig widerlegen als beweisen. Wird aber überhaupt die Existenz der Prophetie angenommen; wird es als wahr gehalten, daß es Personen gab, denen Gott aus übernatürlichem Wege die Zukunft enthüllte: so ist auch vom Standpunkte der Vernunft kein Grund zur Negation des auf Spezialitäten sich beziehenden Vorher- Wissens vorhanden, da das auf allgemeine Zustände sich beziehende Borherwissen ebensowenig wie das auf einzelne Verhältnisse sich beziehende apodiktische zu beweisen ist, vom Standpunkte der Vernunft daher entweder gar keine Prophetie oder ein unbeschränktes, einzig und allein von dem Maße der göttlichen Mittheilung abhängiges Borherwissen zugegeben werden kann. Von denjenigen Bibelkrttikern, welche die Existenz einer gvttlichen Offenbarung offen leugnen, oder mindestens eine auch auf historische und politische Verhältnisse sich erstreckende besondere göttliche Offenbarung in Abrede stellen, kann daher die Behauptung des cxilischen Ursprunges der letzten 27 Kapitel Jesaja's nicht befremden. Hat hinsichtlich politischer Verhältnisse keine göttliche Offenbarung existirt — bei welcher Annahme, wie eö auch wirklich von Seiten der Bibelkritik geschieht,. die Authentizität des Pentateuch ebenfalls geleugnet werden muß, da in demselben auch auf politische Verhältnisse sich beziehende Weissagungen Vorkommen — so ist es allerdings unbegreiflich, wieso Jesaja, der mehr als 100 Jahre vor dem babylontschen Exile lebte, die Verhältnisse der Exulanten bis ins einzelnste kennen, Cyrus mit Namen nennen, und auf dessen Siege über verschiedene Völker Hinweisen konnte. Solche und andere Verheißnngen boten den Bibelkrttikern so mannigfache Schwierigkeiten, daß ihnen die Behauptung der Unächtheit und des exilischen Ursprungs jener Weissagungen als das einzige Mittel zur Bcantwortung der Fragen betrachten konnten, die sich ihnen bei der Lektüre jenes TheilS des B. Jesaja aufdrängen mußten. Bei jüdischen Exegeten aber, welche in dem Umstande, daß ein großer Theil der jesajanischcn Weissagungen bis jetzt noch nicht in Erfüllung gegangen, keine Veranlassung zur Negation der göttlichen Eingebung jener Prophetien haben können, und die, wie es bei Krochmal der Fall ist,