Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1864)
- Article
- Zum Kompert'schen Preßprocesse
- Date
- 1864-05-01
- Page
- 255 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Rabbiner vr. I. Gugenheimev. 255 Jesaja veranlassen, der das Wesen der Prophetie leugnet, das durch eine übernatürliche göttliche Offenbarung vermittelte Vorherwiffen künftiger Begebenheiten in Abrede stellt, dem das Wesen des Propheten nur in einem ״weiten Gesichtskreise", nur in der Befähigung, ״die Zeichen der Zeit zu deuten" liegt. Für denjenigen aber,, dem die Prophetie nicht blos als kindische Vorstellung sondern als die Manifestation einer besonderen an den Propheten ergangenen göttlichen Offenbarung gilt, ist die Erfüllung einer, auf Einzelnhetten sich beziehenden Weissagung kein Grund, die Authentizität derselben zu negircn, sondern vielmehr ein Beweis für die Wahrhaftigkeit und den göttlichen Ursprung der betreffenden Prophetie. Wir wissen wohl, dass diese Anschauung von der höheren Kritik als eine sehr unwtssenschaftliche bezeichnet wird, bet der man darauf verzichten muß, jeder Weissagung genau ihr Alter abzusehen; indessen wir trösten uns hierfür mit der Thatsache, daß nach der Lehre der Thora (5. B. M. 18—22) der Eintritt sämmtlicher vorausverkündeter Ercignisse zu der Probe gehört, durch welche der wahre, Prophet von dem falschen unterschieden werden muß, woraus sich von selbst, ergibt, daß das Wesen der Prophetie durch das Vorherwissen einzelner Begebenheiten, durch die Weissagung solcher Umstände sich dokumentiren muß, die auf natürlichem Wege, durch das bloße Verständnis der Zeichen der Zeit, durch die Thätigkeit der menschlichen Vernunft nicht vorausbestimmt werden können. Diese Grundsätze lassen sich allerdings durch die Vernunft nicht beweisen, können aber ebenso,-, wenig durch die Vernunft widerlegt werden; wir haben uns daher auch vor dem Forum der Vernunft nicht zu scheuen, uns offen und ohne Rückhalt zu denselben zu bekennen; einer der größten Denker, Immanuel Kant, sagte in seinen Vorlesungen über die philosophische Rcligionslehre (Leipzig 1830) S. 223: ״Wissen kann ich nur das, ״was ich selbst erfahre. Es ist auch in Hinsicht unserer Moralität ״sehr gut, daß unsere Erkenntuiß von Gott nicht Wissen, sondern ״Glaube ist; denn auf solche Art kann die Erfüllung mei- ״ner Pflicht weit reiner nnd uneigennütziger find." S. 224: ״Wer wagt es entscheiden zu wollen, nach welchem Plane und durch welche Mittel Gott den Menschen zu hem verhelfen will, was sie nach ihrer Bestimmung sein sollen!" Wenn nun schon Kant, demwahrhaft kritischer Geist gewiß nicht abgesprochen werden..kann, von seinem Standpunkt aus die Annahme gewisser Glaubenswahrheiten