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Jeschurun · 1864-05-01 · Heft 8 (Mai 1864) · p. 254

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Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 8 (Mai 1864)
Article
Zum Kompert'schen Preßprocesse
Date
1864-05-01
Page
254 (sequence 2)
Language
German
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Zum Komperl'schen Preßprozeß. 854 anbeute; er steht auf der Warte des Heiligthums, und sieht seine Umgebung in klarem Lichte; je weiter aber das Ziel seines Schaums von seinem Standpunkte entfernt ist, desto unklarer wird sein Blick, wie man auch mit dem physischen Gesichtssinn am Ende, ß seines Horizontenur den Umriß eines sichtbaren Gegenstandes jj wahrntmmt, aber dessen einzelne Theile nicht zu unterscheiden und f zu erkennen vermag. | Daß in diesen von Krochmal reprvducirten Anschauungen alteres und neuerer ntchtjüdischer Bibelkrttiker eine Leugnung der Prof phetie involvirt ist, kann keinem Zweifel unterliegen; denn eben jener Vergleich zwischen dem prophetischen und physischen Sehen lie- | fert, trotz der Bemerkung, durch die sich Krochmal S. 100 gegen jj die gänzliche Leugnung der Prophetie verwahren zu wollen scheint,1 ׳! den unwiderleglichen Beweis, daß nach der Doktrin, welche die letzjj ten 27 Kapitel Aesaja's einem im babylonischen Exil lebenden Projj pheten zuschreibt, die Prophetie nur das Produkt menschlichen Gei- E stes ist, der durch die Betrachtung der Gegenwart und den Rückblick j| auf die Vergangenheit zuweilen auf die Zukunft zu schließen, den 1 Eintritt mancher Zustände vorauszusehen vermag; daß nach der Wis-!s smschaft, aus der die Annahme eines erilischen, babylonischen oder < Pseudojesaias hervorgegangen, keine von Gott an den Menschen ergangene Enthüllung der Zukunft eristirtc, die Prophetie nicht eine Offenbarung an den Menschen, sondern'eine Offenbarung aus dem. 8 Menschen war. Diese Anschauung wird von den nichtjüdischen Biß belkrittkern wenigstens indirekt zugestanden, da eben die Thatsache, daß jene als pseudojcsajanisch dargestellten Weissagungen auf's genaueste mit der historischen Wahrheit überein stimmen, sowohl von den älteren als neueren Bibelkritikern als Hauptbeweis für die Unächtheit jener Prophetteen bezeichnet wird. ״Das Exilium und die ״dasselbe begleitenden Umstände," sagt Eichhorn in seiner Eiul. z. i A> T. Th. III § 525, ״sind bis ins tiefste Detail herab verfolgt, 4 ״und in so zufälligen, oft unbeträchlichen Zügen nach einer histort- | ״scheu — nicht dichterischen — Wahrheit dargestcllt, die sich dann jj ״erst erreichen läßt, wenn man daS Elend, das man zu schildern ״hat, nicht erst ahndet, sondern schon fühlt, nicht erst als zukünftige ״Voraussagen darf, sondern schon erlebt hat." Diese Uebere'nsttm- ״mung der historischen Thatsache» mit jenen Weissagungen kann nurdenjenigen zur Behauptung der Unächtheit jenes Theiles des Buches

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