Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 6 (März 1864)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1864-03-01
- Page
- 208 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2Ö8 ■Vi . Von S . .. Frau Werner befand sich ebenfalls in B. und kam eben, ihrer Tochter einen Morgenbesuch abzustatten. ״׳Tutest Morgen Frau Gräfin", ries sie lächelnd ihr zu. Langsam erhob sich Aurelie ihre Mutter zu begrüßen, und diese bemerkte leicht die Spuren vergössener Thränen auf ihrem Antlitze. ״Kind, Kt»d, Dein ewiges Trauern und Weinen wird Deine Schönheit noch ganz untergraben" warnte sie kopfschüttelnd. ״O, daß ich sie nie besessen diese unglückselige Schönheit, die mir Alles geraubt" seufzte Aurelie. Erstaunt blickte ihre Mutter sie an. ״Deine Schönheit hätte Dir Alles geraubt? Und was hat Dich denn zur Gräfin gemacht, was anders als Deine Schönheit?" ״Und was hat mich denn so unglücklich gemacht, was anders, als daß ich (: räfin bin!״ ״Eine Gräfin kann nicht unglücklich sein",, lächelte die Mutter. Eben kam der Graf die Astee herauf. ״Guten Morgen Aurelie!" rief er ihr fröhlich entgegen, ״wir haben uns lange nicht gesehen, Schätzchen, aber ich. komme nur um Dir zu sagen, daß wir uns noch längere Zeit nicht sehen werden, denn mit dem nächsten Zug muß ich nach W. reisen; sollten daher noch Briese für mich hierher .kommen, so habe die Güte, sie mir dorthin zu senden." Ein leichtes Kopfnicken war Aureliens einzige Antwort. ״A revoir, ma belle!“ und der Gras entfernte sich eine Arie summend. ״Weißt Du," fragte Aurelie tonlos ihre Mutter, ״warum er so plötzlich nach W. reisen muß?" Fragend blickte diese sie an. ״Weil seine Maitresse, die Sängerin Pauline. H., dort Gastvorstellungen geben wird." ״Und hat noch die Frechheit Dir aufzutragen, ihm seine Briefe nachzusenden, das ist empörend," rief Frau Werner. ״O, eine Gräfin kann nicht unglücklich sein," entgeguete Aurelie bitter. ״Aber es ist Deine eigene Schuld, daß Du es bist", fuhr die Mutter heftig fort, ״warum läßt Du Dir alles gefallen?" ״Was soll ich machen?^ ״Vergilt Gleiches mit Gleichem, knüpfe auch Du,, wenn auch nur zum Schein, Liebesverhältnisse mit Anderen an, suche seine Eifersucht zu reizen." ״Ferdinands Eifersucht soll ich reizen?" rief Aurelie heiser