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Jeschurun · 1864-02-01 · Heft 5 (Februar 1864) · p. 177

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Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 5 (Februar 1864)
Article
Schleswig-Holstein und die Juden
Date
1864-02-01
Page
177 (sequence 3)
Language
German
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•: Von einem Toütistew I7T Bescheid: ״Sägett Sie' Ihren Cömmittenten,- daß' ich das Meinigc thutt werde, wie ich cs irnher als königlicher Commissarius gethanhabe; daß ich mir aber auch diesmal, wie damals, wenig Erfolgdavon verspreche." Der Ministes trat vor׳ dem Züsämmentritt der Stände zurück, vermuthlich ohne Belang für die Juden, deren Sache er, dem -׳ laut gepredigten Judenhasse im Ständehause gegenüber^ doch-nicht hätte verfechten könnet:. ׳ r Daß die Holsteinischen Jüden nicht׳ dürchgehends depravirt sind, daß ihr Patriotismus sich jederzeit in hingebungsvoller Weise zeigt, gibt von der Urkraft des jüdischen'Gemüthes, des jüdischen Rechtsbewußtseins und besonders der jüdischen Vaterlandsliebe das ehren-׳ Hafteste Zeugniß, ein Zeugniß, das von einzelnen Erscheinungen durchaus nicht geschwächt werden kann. Die Einzwängung der Juden in vier unbedeutende Ortschaften (m Kiel durften sie nur in einem zur Stadt gehörigen Dorfe wohnen) nöthigte dieselben zum ärmlichen Hausirhandel. Es demoralisirte den Einen und Anderen. Wer war der Verbrecher? — Ein auswärtiger Jude, der einige tausend Thaler gewonnen, hatte 1855 oder 1856 den Eifall, sich in Holstein als OecvnoM aNzukaufen- Er erstand ein -Bauerngut mit einer Daraufgabe von 1000 Thlr., die, wenn das Gut nicht zu einer von den Contrahenten festgesetzten Zeit mit einer gewissen Aiizahlung übernommeil werden könnte, verfallen sein sollten. Das Gesetz hinderte-den Gutskauf, die 1000 Thlr. wurden, dem Wortlaut nach, dem Verkäufer zuerkannt; denn der Jude konnte das Gut nicht zur bestimmten Frist übernehmen.' Er siechte ans Gramhin und starb. Wer war der Betrüger? Wer war der Mörder? --- - In Neumünster arbeitete ein Geselle, ohne als Jude erkannt worden zu sein, zur vollen Zufriedenheit seines Meisters, der ihm dauernde Arbeit versprach. Der Zufall wollte, daß er — in einer freundlichen Unterhaltung mit dem Gesellen bei der Arbeit, — das Bekenntnis desselben erfuhr, und der Arme mußte Knall Fall aus der Werkstatt, ohne auch nur ein Nachtlager bei seinem Meister zu erhalten. Die Behörde gab dem Meister Recht, und der Jude suchte in Holstein vergebens eine andere Werkstatt. Wer hat den Juden zum ״Landstreicher" gemacht? — Und so könnten wir noch unzählige Beispiele von Unmenschlichkeit in den Landesgesetzsn und in den Gesinnungen von Privaten anführen. Wir bcschränken uns indeß schließlich nur auf die Notitz, daß in Itzehoe, wo die Stände tagen, bis vor Kurzem, nur ein Jude, auf Grund eines uralten besonderen königlichen Privilegium gewohnt hat, während in vielen anderen Orten Holsteins, streng nach dem Gesetz, bis zu dem, Mitte vergangenen Jahres, erlassenen Patent Königs Friedrich VII., der Jude nicht einmal übernachten durfte.

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