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Jeschurun · 1864-01-01 · Heft 4 (Januar 1864) · p. 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 4 (Januar 1864)
Article
Aus der Gegenwart
Date
1864-01-01
Page
126 (sequence 7)
Language
German
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Aus itv Ocgkmvart- II. 26 Verzweiflungsvoll rannte Werner von einer Behörde zur an-- dern, doch vergebens. Seine Tochter hatte das gesetzliche Alter erreicht, und konnte selbst ihren Glauben wählen. Amelie, der dieser Erlast auch zugestellt worden, fühlte sich durch diese freudige Nachricht wie neugeboren. Ihre Krankheit schwand zusehends, und nach wenigen Tage» fühlte sie sich so gekräftigt, daß die Aerzte ihr gestatteten, sich zur Kirche tragen und dort die Ceremonien vollziehen zu lassen. Es war in der Nacht vor dem dazu bestimmten Tage, des unglücklichen Vaters Auge floh der Schlaf, ruhelos durchwanderte er die öden Räume. Draußen heulte der Sturm, fiel prasselnd der Regen, im Hause aber herrschte die tiefste Ruhe. Unwillkürlich wendete Werner seine Schritte zum Krankenzimmer; leise öffnend betrat er dasselbe und erblickte seine Tochter in sanftem Schlummer. Wochenlang hatte sie dieser Wohlthat entbehrt; doch die glückliche Hoffnung, den Geliebten zu sehen, ihm für immer anzugehören, hatte Wunder bewirkt. Schmerzlich sinnend betrachtete Werner das jugendlich holde Antlitz. ״O daß sie hinüber schlummerte", murmelte er leise, ״daß sie nimmer erwachte! — Herr des Himmels nimm sie zu dir, ehe noch sie das Schreckliche begeht — denn du bist ja allbarmherzig. — O sende deinen Rettungscngel, ehe noch der Morgen graut," Und er warf sich zur Erde und betete lange und innig. — Der Vater am Bette seines kaum genesenen Kindes, seines einzigen Kindes, auf dem all seine Hoffnungen ruhten, flehte heiß und flehte brünstig — um den Tod dieses Kindes. — Mit Tagesanbruch erwachte Aurelie, ein seliges Lächeln umspielte ihre Lippen, und sv blaß auch noch ihr Antlitz, so verrieth es doch keine Spur von Leiden, die Freude hatte sie vollständig geheilt. — Freudenthränen im Auge stand die Mutter an ihrer Seite, und konnte nicht aufhöre» das Glück ihrer Tochter so wie deren reizendes Aussehen zu preisen. ״Und glaubst du also nicht, daß Ferdinand mich sehr verändert finden wird Mutier?" ״O freilich wird er dich verändert finden" entgegnete diese ״freilich du, bist ja noch unendlich schöner geworden." Ein rosiger Schimmer glitt über die Wangen der vor wenigen Tagen noch dem Tode so nahen.

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