Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1864)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1864-01-01
- Page
- 127 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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12? Bsn E . . .י Frau Werner ließ es sich nicht nehmen, ihre Tochter selbst anzukleiden, doch als ihr diese nach beendeter Toilette auch den Myrtenkranz reichte, mit der Bitte, ihn in den Locken zu befestigen, xrwiederte sie ״noch nicht liebes Kind noch nicht. Es könnte den Grafen verletzen, erschienest du, noch Jüdin, schon mit dem Braut׳- kränze im Haare. Vor der Vermählung werde ich im Dom dir ihn aufsetzen." Aureliens Antlitz ward ernster. Eine Diener meldeteden Grafen H., der vor dem Eingang des Hauses mit einer Sänfte ihrer warte. Auf den Arm ihrer Mutter gestützt verließ Aurelie das Zimmer, um für immer dem Hause den Rücken zu wenden, indem siedle glücklichen Jahre ihrer Kindheit und Jugend verlebt. Ihr Auge schweifte den langen Corridor entlang und fiel auf das halbgeöffnete Zimmer ihres Vaters. Sie konnte es sich nicht versagen, im Vorübergehen hinein zu schauen. Doch jener Mann, der in sich zusammen gesunken dort im Lehnsessel saß, war das ihr Vater? — Um Jahrzehnde schien er gealtert, seit sie ihn nicht gesehn. Und warum hafteten denn seine Blicke so stier auf jener Wand? Die Wand war ja leer. Aber nicht immer war sie es gewesen. Im Frühlinge, ehe seine Tochter mit ihrer Mutter die Residenz verlassen, um sich nach B> zu begeben, hatte Werner ein herrliches Portraits, in Oel gemalt, von der Ersteren anfertigen lassen, um auch in ihrer Abwesenheit seinen Liebling vor Auge» zu haben. Und über seinem Schreibtische hatte das Bild gehangen. Dort auf jener Stelle wohin sein Auge jetzt starrte, aber das Bild war heute entfernt. Einen Seufzer konnte Aurelie nicht unterdrücken. — Werner fuhr aus, und sah seine Tochter im Hochzeitskleide -- Er that einen Schritt vorwärts, seine Arme hoben sich und ein schrecklicher Blick voll Schmerz und voll Wuth traf sie —Fluch las Aurelie in diesem fürchterlichen Blicke und entsetzt schrie sie auf. ״Der Graf harret, Kind laß Ferdinand nicht länger warten," flüsterte Frau Werner und zog sie rasch mit sich fort. (Fortsetzung folgt.)