Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1864)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1864-01-01
- Page
- 121 (sequence 2)
- Language
- German
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Von S . . . 121 Eltern. Aengstlich besorgt betrachtete die Mutter ihle matte Haltung , ihre lilienblassen - Wangen und warf einen vorwurfsvollen Blick aus Werner: doch sie begegnete seinemso bitter strengen, daß sie die Augen nieder schlug. Auch Aurelie wagte es nicht, den Blick zu ihrem Vater zu erheben, und als er, ehe er sich in's Comptoir begab, sie bat, sich auf's Kanapee.niederzulegen, da-entglitt eine Thrane den langen dunklen Wimpern; doch zu erwiedern vermochte sie nichts. Die gesirigen Worte ihres Vaters hatten nicht verfehlt, einen tiefen Eindruck auf sie zu machen, und noch konnte sie sich nicht entschließen, den Vorschlägen des Grasen Folge zu leisten; aber eben so wenig vermochte sie den Gedanken zu fassen, ihm zu entsagen. Als Werner sich entfernt hatte, setzte seine Gattin sich zu ihrer Tochter. Sie hatte am vergangenen'Tage eine lange Uuterrebung mit ihrem Manne gehabt und dieser hatte auf's strengste untersagt, den Grafen, wenn er es wagen sollte, sie aufzusuchen, zu empfangen. Doch nicht sobald hatte sie vernonunen, daß Graf H. in der That um Aureliens Hand angehalten, als sie mit Bitten und Thränen Werner beschwor, sich doch nicht leichtsinnig dem Glücke hrer Tochter widersetzen; sie war unerschöpflich in all den tausend und abertausend Gründen und Beispielen die sie ansührte. Doch mit der größten Entschiedenheit erklärte ihr Werner, daß er nie und nimmer seine Einwilligung - gäbe. ״Hat.- nicht׳ auch Mendelsohns, des größten jüdischen Weltweisen , vor dem die Heroen' seines Zeitalters und der Nachwelt sich beugen, hat nicht auch seine Tochter dem Christenthum sich zugewendet" rief, sie endlich, ״und was Mendelsohn geduldet, wolltest du verdammen?" ״Geduldet? Haben seine Kinder sich denn bei seinen Lebzeiten getauft? Und wer weiß es, ob bei aller praktischen jüdischen Lebensgewöhnnng, Mendelsohn doch in der Erziehung seiner Kin- und in seinem ganzen häuslichen Leben und Umgänge, eine solche Werthschätzung und Begeisterung für das praktische Judenthnm an den Tag gelegt, daß seine Kinder daraus sich zu gleicher Werthschätzung hatten begeistert fühlen founcu. Lassen doch Aeußernngen, die er einmal in einem Briefe an Lessing sich hatte entschlüpfen lassen, daß die Tage unseres heiligen Passahfestes, ״unnntzige Tage wären, in welchen man zu nichts anderem Lust hat, als verdriiß-