Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1864)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1864-01-01
- Page
- 122 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Au» der Gegenwart. II.!ich zu sein," ' wohl dos Gegentheil vermuthen. War doch seine eigentliche Gristesrichtnng nicht eine ans jüdischen Quellen geschöpfte und den jüdischen Geistcs-Objekten zugewendete, und waren daher auch seine Erwiderungen auf die Bekehrungsversuche seiner christlichen Freunde so matt und haltlos, daß man nur sie zu lesen braucht, um es nicht so ganz unnatürlich zu finden, daß seine Kinder sich von dem losgesagt, was ihr Vater, dem doch sonst die Macht des Wortes zu Gebote stand, mit so wenig Begeisterung zu vertheidigrn wußte" hatte ihr Werner entgegnet. Endlich drohte er sogar, wenn sie in irgend einer Weise Aurelicns Leidenschaft Vorschub leisten würde, diese von ihr zu trennen und sie zu einer fernwohncnden Verwandten, auf deren Charakter er sich besser verlassen könne, zu senden. Dem Anschein nach fügte sich zwar hierauf seine Gattin; innerlich aber faßte sie den festen Entschluß, alles daran zu setzen, das Glück ihrer Tochter, wie sie es nannte zu gründen. Aurelie eine Gräfin! — Die kühnsten Phantasien ihrer mütterlichen Eitelkeit sah sie verwirklicht und sie hätte zugeben sollen, daß die abergläubischen Vorurtheile ihres Mannes sie wieder zu Luftschlössern reducire! Sie schwor sich, Aurelie zur Gräfin zu machen, sei es mit oder ohne Einwilligung ihres Vaters. Liebkosend nahm sie die fieberheißen Hände ihrer Tochter in die ihren. ״Wie du bleich bist liebes Kind, und doch schön, so wunderschön" sagte sie, sie zärtlich bewundernd anschauend. ״Diese durchsichtige Blässe hebt die Reinheit deiner Züge nur um so mehr hervor; ich glaube, ich habe dich nie so schön gesehen wie heute; was Graf Ferdinand nur sagen würde, wenn er dich so sähe?"— Ein tiefer Seufzer hob Aureliens Busen. ״Seufze nicht mein liebes Kind" bat die Mutter, ״und blicke nicht so traurig; es kleidet dich zwar zum Entzücken; dieses schmachtende Wesen verleiht deiner Schönheit einen ganz neuen Zauber; Graf Ferdinand wäre hingerissen, aber das Herz thut mir dennoch wehe, wenn ich dich so leiden sehe Und du hast ja in der That keinen Grund dazu. Graf Ferdinand hat dir seine Hand angetragen, und ich glaube du hältst es auch für kein so großes Malheur Gräfin H. zu werden." ״Aber mein Vater hat ihn ja abgewiesen, hat ihm ja sogar das Haus verboten."