Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1864)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1864-01-01
- Page
- 120 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932933-2932938-2948492--08739-2948518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
II. Novelle von S - - . (Fortsetzung.) Aurelie taumelte zurück, ihre Knie wanklen, und ohne die Stütze ihres Vaters hatte sie sich nicht aufrecht erhalten. Endlich brach sie in ein lautes Schluchzen aus unb weinte lange und heftig Werner sagte nichts, aber er hielt sie noch immer umschlungen und seine Finger glitten leise durch ihre glänzenden Locken. Als sie etwas ruhiger geworden, führte er sie schweigend in ihr eigenes Zimmer und bat sie freundlich, ein wenig zu ruhen. Aurelie warf sich aufs Canapee und Werner ließ sie allein. Noch irmner im höchsten Grade aufgeregt, achtete sie nicht.darauf, daß die Zeit verflrich, und fuhr erschrocken auf, als sie in der Mittagstnnde ein leises Klopfen vernahm. Auf ihr, herein" näherte sich ihr das junge Mädchen, welches ihr gestern den Brief des Grafen überbracht, jetzt erst erinnerte sie sich, daß derselbe Antwort verlangt habe, ergriff die Feder und schrieb stüchtig folgende Worte: ״Geliebter! Mein Vater ist unerbittlich, doch ich werde dich ewig lieben. Aurelie." Noch am selben Abend verließ die Familie Werner B. mit» kehrte zurück in die Stadt. Als Aurelie am andern Morgen erwachte, fühlte sie sich erschöpft und kraftlos, die aufregenden Genmthsbewegungen waren zu viel gewesen für die zarte Constitution des jungen und an Heiterkeit und Freude gewöhnten Mädchens. Nicht ohne .Anstrengung beendete sie ihre elegante Morgentoilette und begab sich zu ihren